In der zweiten Märzwoche hat die Europäische Zentralbank gemeinsam mit den nationalen Notenbanken der Euro-Zone mit dem Ankauf von Staatsanleihen begonnen. Durch diese Ankäufe sollen bis September 2016 monatlich 60 Mrd. Euro in das Finanzsystem fließen. In Summe insgesamt 1,1 Billionen Euro. Ziel dieser spektakulären Maßnahme ist eine Ankurbelung der stagnierenden Wirtschaft in der Eurozone. Diese Maßnahme ist umstritten und ruft dementsprechend viele Kritiker auf den Plan. Einer dieser Kritiker ist der freiberufliche Journalist und Autor des Buches "Weltmacht IWF - Chronik eines Raubzugs", Ernst Wolff.

Als Hauptkritikpunkt wird von Wolff der mangelnde Erfolg vergleichbarer Maßnahmen in anderen Ländern wie Japan und Amerika angeführt. In beiden Ländern stagniert die Wirtschaft, obwohl ebenfalls große Geldmengen in den Markt gepumpt wurden. Was könnte also sonst Grund für diese Finanzaktion der EZB sein? Wenn man der Argumentation von Ernst Wolff Glauben schenken will, handelt es sich um eine Rettungsaktion, da sonst der Zusammenbruch des Systems droht.

Laut Wolff sitzen Politiker und die Finanzindustrie auf einem historisch nie dagewesenen Berg an Schulden. Die Länder der Eurozone sind mit 9,6 Billionen Euro und die Banken mit 20 Billionen Euro verschuldet. Um die, durch diese Schuldenberge auflaufenden Zinsen, bezahlen zu können brauchen die Staaten und die Banken ständig Geld. Dieses Geld wird ihnen durch die EZB nun zur Verfügung gestellt.

Wer glaubt, dass der Geldsegen etwas ändert, wird enttäuscht, da laut Wolff in den Staaten die Gelder aufgrund des mangelnden Wirtschaftswachstums verpuffen und die Banken das Geld für weitere Spekulationen nutzen werden. Ob das Szenario Wolffs eintrifft oder nicht: Fix ist auf jeden Fall der Jubel der Börsianer.

Natürlich gibt es auch Befürworter. Aufgrund der Kursgewinne konnten sich Aktienbesitzer über schöne Zuwächse freuen und eventuell aufgeschobene Anschaffungen tätigen. Wenn man Psychologie als Wirtschaftsfaktor einstuft, könnte die positive Stimmung, laut Aussagen der Befürworter, durchaus die Wirtschaft ankurbeln.

Wenn es für Unternehmer leichter wird an Kredite zu kommen, führt das wiederum zu neuen Investitionen. Auch Banken und Versicherungsunternehmen könnten, aufgrund der guten Konditionen der EZB versucht sein ihre Papiere zu verkaufen. Es gilt das Credo, dass es besser ist Geld zu verleihen, als, aufgrund der Negativzinsen bei der EZB, zu bunkern.

Welches Szenario wirklich eintreffen wird, das der Befürworter oder das der Kritiker, lässt sich unmöglich vorhersagen. Zu hoffen bleibt nur, dass sich der "Fast-Zusammenbruch" des globalen Finanzsystems nicht wiederholen wird. #Europäische Union #Finanzen