Stellen Sie sich vor, Sie fahren mit den öffentlichen Verkehrsmitteln. Beim Verlassen der Station sehen Sie einen Mann in einer Ecke liegen. Wie verhalten Sie sich? Was machen Sie, gehen Sie vorbei? Wahrscheinlich antworten einige, dass sie selbstverständlich nach dem Mann schauen würden. Die Realität zeigt uns jedoch etwas ganz anderes, wie erst vor kurzem bekannt wurde.

Die Presse berichtete 2014 vom Fall eines 58-jährigen Obdachlosen. Dieser lag einige Stunden hilflos in einem Aufzug einer Wiener U-Bahn Station, der zu dieser Zeit oft von Passanten benutzt wurde. Keiner sah sich dazu bemüßigt den Mann anzusprechen, den Notruf zu betätigen oder selbst Hilfe zu leisten. Fakt ist, der Mann hätte überlebt, wenn auch nur einer der zahlreichen Fahrgäste anders gehandelt hätte.

Wer nicht handelt, handelt falsch

Erschreckenderweise helfen viele Menschen, aus Angst falsch zu handeln, gar nicht. Aber in solchen Situationen ist das einzig Falsche wegzuschauen - wie im Falle des Obdachlosen. Betrunkene und Obdachlose gehören zum Wiener Stadtbild. Wir alle sind an ihren Anblick gewöhnt, einigen sind diese Menschen unangenehm, anderen ein Dorn im Auge. Doch diese Einstellung darf auf gar keinen Fall als Entschuldigung gelten.

Roman Hahslinger, Polizeisprecher der Wiener Polizei versucht die Angst vor negativen Konsequenzen im Falle "falscher" Erste-Hilfe-Leistung zu nehmen. Jeder, der Hilfe leistet, hat keine strafrechtlichen Folgen zu erwarten. Auch Daniel Amann, Sprecher der Wiener Linien fordert dazu auf, in fraglichen Situationen den Notruf lieber einmal zu oft zu drücken. Denn auch das Wählen des Notrufs bedeutet Hilfe zu leisten.

Schlussendlich ist es nicht wichtig, ob wir selbst Erste Hilfe leisten oder nur den Notruf wählen. Hauptsache wir nehmen Anteil und handeln. Im Zweifelsfall handelt es sich nämlich immer um einen Notfall. Es bleibt also zu hoffen, dass sich ein derartiger Vorfall zukünftig vermeiden lässt und die Menschen mutig genug sind, um einzugreifen. Denn es kann jeden von uns treffen und jeder wäre dankbar über die Hilfe und Zuwendung der Anderen. #Gesundheit