Helsinki - Es tut sich etwas im hohen Norden: nachdem selbst renommierte Zeitungen wie Die Welt im Januar diesen Jahres berichteten, dass in Finnland die Schreibschrift zu Gunsten der Druckschrift endgültig abgeschafft werden soll, stellt die finnische Regierung nun jetzt ihr erweitertes Reformprogramm vor.

Obwohl medial großflächig unbeachtet, besteht der Kern der Reformen in der Umstrukturierung der Unterrichtsgestaltung. Der Fokus liegt auf einer transdisziplinären Neuorientierung: während das Schema der Kernfächer erhalten bleibt, wird nun mindestens einmal pro Jahr ein Projekt gestaltet, das von unterschiedlichen Fächern beleuchtet, bearbeitet und präsentiert wird. Bei der Auswahl der Themen und der in Frage kommenden Fächer für das 'Lernmodul' wird sowohl den Schulen mehr Autonomie als auch den Schülern ein Mitspracherecht eingeräumt. Schulen sollen somit zu 'Lern-Gemeinschaften' werden. Im Zuge der Unterrichtseinheiten werden mehrere Lehrer gleichzeitig mit kleineren Gruppen im selben Raum arbeiten. Das Primärziel dieser Strukturierung besteht einerseits darin die rigiden Grenzen der einzelnen Unterrichtsfächer aufzulösen und andererseits den Austausch zwischen den Fächern zu fördern. Den längerfristigen Lernerfolg der Schüler stellt die Fähigkeit eigenständig zu arbeiten sowie Freude bei der Auswahl der Lerngebiete zu finden dar.

Doch während diese Schritte hin zu mehr Individualförderung und vernetztem Denken in den Hintergrund getreten ist, fand ein kleinerer Kernaspekt der Reform ein stärkeres Echo: in den Schulen soll zusätzlich neben dem Erlernen der Druck- und Schreibschrift auch das Beherrschen der Computer-Tastatur gelehrt werden. Der Gedanke dahinter ist jener, dass die Fähigkeit fließend auf einer Tastatur zu tippen mittlerweile eine Grundvoraussetzung für die meisten Berufe ist. Das trifft ebenso für jede akademische Ausbildung zu. Aus dem Alltag ist das tippen einer Arbeit, E-Mail oder SMS nicht mehr wegzudenken. Ebenfalls Teil dieser Agenda ist es den Schülern eine Vernetzung zwischen von Hand geschriebenen Notizen und einer kohärenten, getippten Arbeit zu vermitteln.

Selbstverständlich sehen die Änderungen nicht vor das Kulturgut Schreibschrift zu verbieten, vielmehr soll diese Grundkompetenz um die technische Komponente erweitert werden. Schreibschrift soll hierbei eine gut lesbare doch immer noch individuelle Ausdrucksform sein, für das Bearbeiten und Veröffentlichen von Texten ist jedoch das Tippen am Computer unerlässlich.

Im August 2016 sollen die Umstellungen abgeschlossen sein, wobei auf eine Testphase verzichtet wird.

Quelle: Homepage des Ministeriums für Bildung und Kultur Finnlands; englische Version. #Schule