Hunderte Menschen strömten aus dem riesigen Gebäudekomplex des Mailänder Justizpalasts nachdem in den oberen Stockwerken mehrere Schüsse gefallen waren. Innerhalb kürzester Zeit waren Einheiten der lokalen Polizei und der paramilitärischen Carabinieri vor Ort und riegelten das Gelände rund um den Palast weiträumig ab. Augenzeugen berichten von unzähligen traumatisierten Gerichtsangestellten und anderen flüchtenden Personen, die unter Schock versuchten sich in Sicherheit zu bringen.

Erst Stunden nachdem der Lärm der ersten Schüsse durch das weitläufige Gebäude hallte, stand die endgültige Zahl der Opfer fest: 4 Personen hatten den Angriff nicht überlebt. Einer der Getöteten war, wie sich später herausstellte, der Richter, der bei der Verhandlung, während der es zu den Schüssen gekommen war, den Vorsitz inne hatte. Ein weiterer Toter war der Anwalt des mutmaßlichen Täters und Hauptangeklagten im betreffenden Fall. Die dritte Person ist laut internationalen Medienberichten noch immer nicht identifiziert, es wird jedoch vermutet, dass es sich um einen Zeugen, der im Zuge der Verhandlung aussagen wollte, handelt. Die vierte Person, die an diesem Tag ihr Leben verlor, wurde - so die derzeitige Vermutung der anwesenden Notärzte - Opfer des Schocks und der Angst, die durch einen hindurchfährt, wenn in nächster Nähe Schüsse fallen und Menschen sterben: der Mann starb an einem durch die Aufregung verursachten Herzinfarkt.

Der mutmaßliche Schütze, der laut lokalen Nachrichtendiensten als "Claudio Giardiello" identifiziert wurde, war Hauptangeklagter in einem Insolvenzprozess, rund um ein von ihm geführtes Immobilienunternehmen. Seine persönlichen Schulden sollen sich auf knapp 3 Millionen Euro belaufen. Bei seiner Festnahme durch Carabinieri-Einheiten soll er ausgesagt haben, dass er vorhatte, auch zwei seiner früheren Geschäftspartner zu ermorden und auch andere, ihm unbekannte Passanten zu erschießen. Kurz nach der Verhaftung soll er einen Schwächeanfall gehabt haben und bewusstlos geworden sein. Gegenwärtig befindet er sich in einer Carabinieri Station in Mailand und steht unter Arrest. Wie er es geschafft hatte mit geladener Schusswaffe durch die, an sich als sehr streng geltenden Sicherheitskontrollen im Eingangsbereich des Justizpalastes zu kommen ist nach wie vor ein Rätsel. Es wird allerdings vermutet, dass er mithilfe eines gefälschten Ausweises der Justizbehörde, ohne kontrolliert zu werden, die Sicherheitsschleusen passieren konnte - sollte dem so sein, so scheint er die Tat schon seit langem genau geplant zu haben.

Quellen:

BBC - Italy court shooting: 'Four dead, man arrested' in Milan.

Kronen Zeitung - Drei_Tote bei Amoklauf im Mailänder Justizpalast