In der Nacht von Samstag auf Sonntag hat sich neuerlich ein furchtbares Schiffsunglück im Mittelmeer ereignet: knapp 60 Seemeilen von der libyschen Küste entfernt, soll ein extrem überladenes Schlepperboot mit über 700 Menschen an Bord gekentert sein. Bisher konnten nur 28 Personen, welche laut eigenen Angaben auf dem Boot waren, von einem nahen Handelsschiff gerettet werden. Über 20 Leichen wurden mittlerweile von den italienischen Behörden und Patrouillebooten der europäischen Grenzschutzorganisation Frontex geborgen. Dutzende Schiffe der Küstenwache, sowie Hubschrauber und Überwachungsdrohnen sind nach wie vor im Einsatz um etwaige Überlebende und auch die unzähligen Toten aus dem Wasser zu holen.

Mehrfach soll vor der eigentlichen Katastrophe vom Flüchtlingsboot aus, per Funk Hilfe angefordert worden sein - die Besatzung eines portugiesischen Öltankers, der sich zufällig in unmittelbarer Nähe des Unglücksorts befand, kam genau in dem Moment in Sichtweite, als das Boot kenterte. Besonders tragisch ist es, dass der Versuch der Flüchtlinge, auf sich und das havarierte Boot aufmerksam zu machen, wahrscheinlich direkt zu dem Unglück beigetragen hat. Mitglieder der Tankerbesatzung berichten, dass sich unzählige Flüchtlinge auf genau die Seite des Boots bewegt hatten, welche dann - scheinbar aufgrund der ungleichen Verteilung des Gewichts - in die Fluten kippte und das Boot schließlich zum Sinken brachte.

Laut lokalen italienischen Medien, ist es die bisher größte Flüchtlingskatastrophe im Meer vor der Küste Siziliens - noch nie waren mit einem Schlag so viele flüchtende Menschen in den Wellen des Mittelmeers umgekommen. Wie bei den vielen vorangegangenen Katastrophen mit Schlepperbooten, war auch dieses ursprünglich von Libyen aus in See gestochen. Die Flüchtlinge, so die derzeitige Einschätzung der Behörden, kamen wahrscheinlich aus den verschiedensten Teilen Afrikas.

Wie von europäischen Nachrichtenorganisationen berichtet, reißt der Strom an Bootsflüchtlingen, trotz der - mittlerweile bereits - wöchentlichen Tragödien nicht ab: so sollen alleine in der letzten Woche knapp 11.000 (!) Menschen von der italienische Küstenwache, Grenzschutzbooten und anderen, teils privaten Schiffen und Handelstransportern geborgen worden sein. Das UN-Flüchtlingshilfswerk, UNHCR gibt öffentlich an, dass, nach offiziellen Aufzeichnungen, dieses Jahr bereits über 900 Menschen bei der Überfahrt nach Europa ums Leben gekommen sein sollen. Überlebende Flüchtlinge berichten, dass sie bis zu 1.500 US-Dollar (um die 1.387 Euro) pro Kopf für die Überquerung des Mittelmeers von Libyen aus zahlen und dabei bis zu drei Tag ohne Nahrung auskommen mussten.

Bildquelle:

Wikimedia Commons/U.S. Coast Guard photo by Public Affairs Specialist 2nd Class John Edwards 

Quellen: 

ORF - Boot kippte vor Augenzeugen

ORF - NGOs orten gravierende Rückschritte


#Europäische Union