Wer die aktuellen Arbeitsmarkt-Statistiken überfliegt, darf aufatmen: Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung in Nürnberg konstatierte im vergangenen Jahr einen Aufwärtstrend bei der Beschäftigung in Deutschland, der auf den hohen Bedarf an Fachkräften und die starke Zuwanderung zurückzuführen sei. Gleichzeitig stagniere die Arbeitslosigkeit seit Jahren. Und auch die Bundesagentur für Arbeit ist optimistisch: Die günstige Entwicklung am Arbeitsmarkt halte an. Die Arbeitslosenquote sei im Vergleich zum Februar 2015 im März von 6,9 auf 6,8 Prozent gesunken. Überschwänglicher Optimismus ist dennoch nicht geboten. Langzeitarbeitslosen gelinge es nämlich schlechter, ins Arbeitsleben zurückzukehren, weil Stellen in der vergangenen Zeit an qualifizierte Zuwanderer oder Rückkehrer aus der Elternzeit vergeben wurden. Förderprogramme sollen diesem Trend entgegenwirken. Zudem sinkt die Arbeitslosenquote im März traditionellerweise, weil nach dem Winter nun wieder verstärkt Außenberufe gefragt sind.

Die Unternehmen in die Pflicht nehmen 

In Österreich hingegen sorgt man sich um die Arbeitslosen über 50. Aber auch Menschen, die in Lohn und Brot stehen und dieses Alter erreicht haben, sind vor den Launen des Marktes nicht gefeit. Deshalb fordert der Österreichischen Gewerkschaftsbund (ÖGB) einen besseren Schutz älterer Arbeitnehmer. Auf der einen Seite würden Vertreter der Wirtschaft eine Anhebung des Pensionsalters für Frauen fordern, so Karl Proyer, stellvertretender Bundesgeschäftsführer der Gewerkschaft der Privatangestellten, Druck, Journalismus, Papier, auf der anderen Seite gehe aber jeder zweite Arbeitnehmer aus der Arbeitslosigkeit in die Pension. Der Grund dafür liege bei den Unternehmen: Sie würden zum Teil langjährige Dienstverhältnisse "unter zum Teil fragwürdigen Bedingungen" beenden, was dazu führe, dass die Arbeitnehmer wieder auf Jobsuche gehen müssen. Proyer fordert daher ein Bonus-Malus-System, um die Beschäftigung älterer Menschen zu fördern, denn immerhin würden die Unternehmen von deren Know-how profitieren.

Die Wirtschaftskammer Österreich wiederum versucht zu beruhigen: Deren Präsident Christoph Leitl verweist auf die jüngste Statistik: Die Quote der Arbeitslosen über 50 sei mit einem Plus von 0,8 Prozent geringer angestiegen als die allgemeine Arbeitslosenquote (0,9 Prozent). Auch die Beschäftigung wachse bei den über 50-Jährigen deutlich an: Während die allgemeine Beschäftigung um lediglich 0,4 Prozent nach oben ging, sei jene der über 50-Jährigen um 6,1 Prozent angestiegen. Darüber hinaus zeige die mit 370 Millionen Euro zusätzlich finanzierte Beschäftigungsinitiative des AMS für Arbeitslose über 50 ihre Wirkung. Mehr als die Hälfte dieses Geldes diene der Abdeckung von Lohnnebenkosten oder als Kombilohn. Einem Bonus-Malus-System, wie Gewerkschafter Proyer vorschlägt, kann Leitl wenig abgewinnen: Notwendig sei vielmehr eine Senkung der Lohnnebenkosten. Zudem würde das die Stimmung in der Wirtschaft weiter verschlechtern.

Deutschland und Österreich im europäischen Vergleich an der Spitze 

Die Zukunft des Arbeitsmarkts? Laut Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung werde dieser zusehends vom demografischen Wandel geprägt sein. Für die nächsten drei Monate zumindest prognostiziert die Bundesagentur für Arbeit "eine leicht sinkende saisonbereinigte Arbeitslosigkeit".

Im europäischen Mittel steht Deutschland laut Eurostat mit 4,8 Prozent saisonbedingter Erwerbslosenquote noch am besten da, gefolgt von Österreich und Großbritannien (jeweils 5,5 Prozent). Am Ende der Skala findet sich Griechenland mit 26 Prozent Erwerbslosenquote.

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