Das als "Turiner Grabtuch" bekannte Leinentuch soll wieder öffentlich ausgestellt werden. Das letzte Mal war das Tuch, welches eine Länge von 4,36 Meter und eine Breite von knapp 1,10 Meter aufweist, der Öffentlichkeit im Jahr 2010 zugänglich gemacht worden.

Der genaue Ursprung des Tuchs, welches von einigen Christen als das Grabtuch von Jesus von Nazareth verehrt wird, wird unter Historikern, Theologen und Archäologen noch intensiv diskutiert. Erstmals schriftlich erwähnt wurde das Tuch wahrscheinlich um das Jahr 1390, obwohl dies als umstritten gilt. Es zeigt den Körper eines Mannes, der Verletzungen aufweist, die scheinbar mit einer Kreuzigung übereinstimmen. Experten für Gerichtsmedizin haben sich im Laufe der Jahrzehnte mit der Abbildung, und dem dargestelten Verletzungsmuster intensiv beschäftigt.

So hat sich der Zoologe Y. Delage bereits 1902 für die Echtheit des Tuchs ausgesprochen. Und 1997 veröffentlichte auch der Pathologe R. Bucklin eine Schrift, in welcher er die dargestellten Wundmale als konsistent mit realen Verletzungen einstufte. Er schloss daraus, dass es sich um die Abdrücke einer realen Person handelt, die einer Kreuzigung ausgesetzt worden war. Auch italienische Wissenschaftler untersuchten das Tuch zwischen 2000 und 2010: sie kamen zu dem Schluss, dass es sich um die Abbildung eines echten, durch schwere physische Gewalt zu Tode gekommen Mannes handelt.

Als bisher schärfste Kritiker des Tuchs, in Bezug auf die Echtheit des Abdrucks, als auch betreffend die Annahme, es handle sich um den abgebildeten Leib Jesu, traten der frühere Privatdetektiv Joe Nickell und auch der unabhängige Forscher Gregory Paul auf. Neben anatomischen Diskrepanzen, kritisierten sie auch die Resultate der verschiedenen Materialproben. So wurden mehrfach Proben, vom Stoff des Tuchs und Partikeln, welche auf dem Gewebe gefunden wurden materialtechnisch analysiert. Auch vermeintliche Blutspuren wurden überprüft. Einige der Erdreste scheinen mit großer Sicherheit der Region rund um Jerusalem zuzuordnen zu sein. Auch das Leinengewebe könne der Region zugeordnet werden. Allerdings kam man bei den Versuchen das Alter zu bestimmen, zu sehr unterschiedlichen Befunden. So fand ein Forscherteam Hinweise darauf, dass das verwendeten Leinentuch erst deutlich später, bis zu 1000 Jahre nach der, in religiösen Texten geschilderten Kreuzigung entstand.

Auch auf die Resultate der Radiokarbondatierungen, welche 1988 an den Universitäten Oxford, Zürich und Arizona erfolgten wird hingewiesen: bei den Datierungen kam es bei allen Untersuchungen zu Resultaten, die auf einen Enstehungszeitraum zwischen 1200 und 1300 (nach Chr.) hinweisen. Diese Resultate, welche von Befürwortern der Authentizität des Tuchs nach wie vor als Messfehler, oder Fälschungen abgelehnt werden, stimmen auch mit den Aufzeichnungen des Bischofs d'Arcis überein. Dieser soll in einem gefundenen Memorandum an den französischen Gegenpapst Clemens VII. berichten, dass der Urheber des, als Fälschung ermittelten Tuchs ausgeforscht wurde und seine Tat gestanden habe.

Trotz der Untersuchungen bleiben viele der Details über den Ursprung, die eigentliche Herstellung und letzlich auch die Authentizität des Tuchs weiterhin im Dunkeln.

Quellen:

ORF - Erstmals seit 2010: Turiner Grabtuch öffentlich ausgestellt

TIME Magazine - Science And The Shroud

W. Meacham - Radiocarbon Measurement and the Age of the Turin Shroud: Possibilities and Uncertainties

Bildquelle:

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