Helmut Josef Michael Kohl wurde am 3. April in Ludwigshafen geboren. Er wirkte von 1969 bis 1976 als Ministerpräsident des Landes Rheinland-Pfalz und regierte von 1982 bis 1998 als der sechste Bundeskanzler die Bundesrepublik Deutschland. Ohne ihn wäre Deutschlands Geschichte der Demokratie mit Sicherheit ein großes Stück ärmer, einige Kapitel vielleicht gar nicht geschrieben worden. Viel Zorn hat der Einheitskanzler bei Freunden und kritischen Weggefährten mit den von ihm nicht authorisierten Veröffentlichungen zum Buch "Vermächtnis- Die Kohl-Protokolle" ausgelöst. Autor des Buches: Der Journalist und einstige Kohl-Intimus Dr. Heribert Schwan, den der Einheitskanzler höchstselbst als Ghostwriter für seine Memoiren engagiert hatte. Wir erinnern uns: Schwan hatte 2001 und 2002 Mitschnitte und Protokolle von Gesprächen mit Kohl angefertigt, die zur Verfassung eines vierten Memoiren-Buches des Altkanzlers dienen sollten. Nach mehreren Büchern über Helmut Kohl ( 2010: Helmut Kohl – Virtuose der Macht und 2011: Die Frau an seiner Seite – Leben und Leiden der Hannelore Kohl) und drei Memoiren-Bänden (Helmut Kohl - Erinnerungen) kam es zum Bruch.

Der Ziehvater, der verstoßen wurde

Helmut Kohls Verhältnis zu Angela Merkel gilt nach der Parteispendenaffäre im Jahre 1999 als belastet, auch wenn sein einstiges politisches Ziehkind ihm zum 85. Geburtstag mit warmen Worten gratuliert: "Ich wünsche Helmut Kohl, dass er mit Zufriedenheit auf seine große politische Lebensleistung zurückblickt. Deutschland hat ihm viel zu verdanken." Trotz großer innerer Distanz muss Angela Merkel ihm dankbar sein: 1990 hatte er die Abgeordnete aus dem Osten überraschend zur Ministerin für Frauen und Jugend gemacht, vier Jahre später zur Umweltministerin. Nun regiert "Kohls Mädchen" unser Land. Doch beide sind sich vielleicht ähnlicher als sie es zugeben würden. Nach Ansicht des Historikers Paul Nolte ähnelt der Regierungsstil Merkels immer stärker dem Helmut Kohls. Sie pflege wie einst Kohl einen "moderierenden Regierungsstil" und versuche "auf pragmatische Weise die CDU in der Mitte zu halten", stellt der Berliner Historiker fest.

Der Historiker, der Geschichte schrieb

Am 28. November 1989 präsentierte Helmut Kohl im Deutschen Bundestag das Zehn-Punkte-Programm zur Überwindung der Teilung Deutschlands. In zwei Treffen mit dem sowjetischen Staatspräsidenten und KPdSU-Chef Michail Gorbatschow wurde dann der Durchbruch erzielt. Die Sowjetunion erkannte das Recht der Deutschen auf Selbstbestimmung und Wiedervereinigung an. An seinem 85. Geburtstag werden sich die meisten Deutschen zusammen mit dem Historiker Helmut Kohl an zwei historische Momente erinnern. Am 9. November 1989 wurde die Mauer geöffnet. Hunderttausende DDR-Bürger konnten endlich den Westteil Berlins und die übrige Bundesrepublik besuchen. Am 22. Dezember 1989 fand die feierliche Öffnung des Brandenburger Tores statt.

Aus Sorge um Europa hat Helmut Kohl ein Buch mit selbigem Titel geschrieben. Es gilt als sein politisches Vermächtnis. Zitat: "Wir brauchen Russland für den Frieden in Europa und der Welt."

Happy Birthday, Helmut Kohl!

jh

Bildquelle: Bundesarchiv, B 145 Bild-F074398-0021 / Engelbert Reineke /  [CC BY-SA 3.0 DE] / Wikimedia Commons
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