Laut der internationalen Hilfsorganisation „Save the Children“ sind mindestens 400 Menschen auf der Schiffsfahrt von Libyen nach Italien ertrunken. Obwohl nach wie vor nicht genau bekannt ist, was zum Kentern des Flüchtlingsboots geführt hat, wird vermutet, dass es bereits vor dem Antritt der Mittelmeerüberquerung in schlechtem Zustand und deutlich überladen war.

Die meisten der Opfer, so „Save the Children“ sind junge Männer, aber es sollen auch einige Familien mit Kindern an Bord gewesen sein.

Einige Überlebende, die es geschafft hatten sich auf Treibgut zu retten, oder sich anderweitig über Wasser halten konnten, wurden von einem anderen Boot gerettet und in den nächsten italienischen Hafen gebracht. Die geretteten Libyer wurden umgehend medizinisch versorgt und erhielten auch trockene Bekleidung und warme Mahlzeiten. Wie viele Menschen ursprünglich auf dem gesunkenen Boot waren und ob die Schlepper bzw. Organisatoren der Überfahrt ebenfalls ertrunken sind, konnte bisher nicht eruiert werden.

Erst letzten Sonntag (12.04.15) wurden mehr als 1.700 Flüchtlinge von Einheiten der italienischen Küstenwache von einem, nicht seetauglichen Schlepperboot gerettet. Einer unter den Flüchtlingen konnte nur mehr tot von der Küstenwache geborgen werden.

Flüchtlingsstrom reißt nicht ab

Laut offiziellen Angaben der italienischen Behörden und der Vereinten Nationen, kamen im letzten Jahr zwischen 170.000 bis 200.000 Flüchtlinge über Italien nach Europa. Die meisten davon wählten die lebensgefährliche Route per Boot über das Mittelmeer. Nach offiziellen Aufzeichnungen verloren mindestens 3.400 Menschen bei dem Versuch auf diese Weise in die #Europäische Union zu gelangen ihr Leben. Viele NGOs (Nicht-Regierungsorganisationen), wie etwa Amnesty International gehen allerdings von einer deutlich höheren Dunkelziffer aus und vermuten, dass mindestens einige hunderte Opfer mehr im Mittelmeer umgekommen sind.

Situation nicht kontrollierbar

Aufgrund des stetig steigenden Stroms an Flüchtlingen aus den Ländern Nordafrikas und der signifikanten Unterbesetzung der zuständigen Behörden, vor allem der italienischen Marine und Küstenwache, sowie der europäischen Grenzschutzorganisation Frontex, ist die Situation so gut wie nicht unter Kontrolle zu bekommen. Neben Italien, dass bereits deutlich überfordert ist, extrem überfüllte Flüchtlingslager betreibt und dringend die Unterstützung durch die Europäische Union benötigt, ist vor allem auch der Kleinstaat Malta von der Problematik betroffen. Auch Griechenland, ein Land, welches aufgrund seiner desaströsen finanziellen Lage schon ernste Schwierigkeiten bei der Aufrechterhaltung der eigenen Verwaltung hat, leidet unter dem nicht enden wollenden Flüchtlingsaufkommen: so wurden aufgrund der schlechten Lage für die Flüchtlinge in griechischen Anhaltelagern bereits von mehreren NGOs offizielle Beschwerden – sogar bei der UN Flüchtlingskommission – eingebracht. Laut der Berichte dieser NGOs sollen etwa die Schlafsäle in den griechischen Lagern um das drei- bis vierfache überbelegt sein, nur unregelmäßig die Möglichkeit zur hygienischen Körperpflege bestehen und auch die ausreichende Versorgung mit Trinkwasser und Nahrungsmitteln teilweise nicht gesichert sein.

Quellen:

ORF - NGO: 400 Flüchtlinge im Mittelmeer ertrunken

ORF - Dreimal so viele wie 2011

Wiener Zeitung - Mehr als 1.700 Bootsflüchtlinge aus dem Mittelmeer gerettet

Bildquelle: Vito Manzari / flickr.com [CC BY 2.0]