Die Würfel sind gefallen: Der Bruch zwischen Marine Le Pen und ihrem Vater Jean Marie Le Pen ist seit ein paar Stunden Realität. Nach einem wichtigen Konklave beschloss das Politbüro des Front National an diesem Montag den 4. Mai, seinen Ehrenvorsitzenden seines Mitgliedsstatus‘ zu entheben, was mit anderen Worten bedeutet, dass er zwar immer noch zur Partei gehört wie jeder andere FN-Aktivist auch, allerdings ohne Rederecht als Leiter. Dies gilt bis zur endgültigen Entscheidung der Generalversammlung, die Le Pens lebenslange Verdrängung aus seinem Amt beim Front National beschließen wird oder nicht.

Daher wird in drei Monaten eine Generalversammlung einberufen, um Jean-Marie Le Pen seinen Status als lebenslangen Ehrenvorsitzenden des Front National zu entziehen oder nicht. Dieser reagierte sofort darauf, indem er seine Tochter Marine Le Pen verstieß, wie er es bereits fünfzehn Jahre zuvor mit der ältesten seiner Töchter, Marie-Caroline, getan hatte, nachdem diese beschlossen hatte, Bruno Mégret bei der Abspaltung vom Front National zu folgen. Einige Jahre später befinden wir uns nun im selben Szenario, und die Worte sind brutal. Le Pen schämt sich dafür, dass seine Tochter Marine seinen Namen trägt, er verstößt sie und bittet sie, so schnell wie möglich ihren Lebensgefährten Alliot zu heiraten, um nicht mehr Le Pen zu heißen.

Für den Gründungsvorsitzenden des Front National sind Marine Le Pen und ihre „Kumpel“ vom Politbüro zu weit gegangen, und er fühlt sich von seiner Tochter verraten. So verfährt Le Pen auch mit seinen bissigen Äußerungen, wenn er wiederholt behauptet, die Gaskammern seien nur ein Detail der Geschichte gewesen. Dasselbe gilt auch, wenn er Marschall Pétain verteidigt oder äußert, die ständige Anspielung Manuel Valls‘ auf die Republik „nerve“ ihn, da Valls gebürtiger Spanier ist. Marine Le Pen versucht bereits seit einigen Jahren, den Front National zu einer für die breite Masse wählbare Partei zu machen – mit großem Erfolg. Derartige verbale Entgleisungen seitens des Vaters stören da nur.

Jean-Marie Le Pen auf nationaler Ebene das Rederecht zu entziehen wird ihn nicht daran hindern können, sich als Europaabgeordneter zu äußern, und er wird weiterhin sagen, was er über die französische und europäische Politik und Gesellschaft zu sagen hat. Im Gegensatz zu Marine Le Pen, die es gerne bis in den zweiten Wahlgang der Präsidentschaftswahlen schaffen möchte, hat er niemals die Macht gewollt. Diese glaubt, dass wenn der Name des Front National ein Hindernis auf ihrem Weg zur Macht wäre, sie den Namen der Partei ändern würde. Dies steht aber im Moment nicht zur Debatte, und das Psychodrama mit dem Vater geht weiter, bis die Generalversammlung über den lebenslangen Status von Jean-Marie Le Pen entschieden hat. #Europäische Union