Während in Deutschland der Tag der Deutschen Einheit gefeiert und in Dresden demonstriert wurde, ging in Warschau und anderen polnischen Städten schwarz gekleidete Frauen und Männer zu Tausenden auf die Straße und riefen den Boykott aus. Der Grund: der Entwurft für ein #Abtreibungsgesetz erlaubt Abtreibungen nur noch bei Gefahr für die Schwangere. Als „barbarisch“ bezeichnen die Organisatoren der Proteste dieses Gesetz.

Das Komitee "Rettet die Frauen" hatte in Social Media unter dem Hashtag ##czarnyprotest (schwarzer Protest) zum Widerstand aufgerufen. Sogar vor der polnischen Botschaft in Stockholm standen dutzende Frau, alle in Schwarz gekleidet. Die linke Politikerin Agnieszka Dziemianowicz-Bak, Organisatorin der Demonstration sagte: "Wir werden es nicht erlauben, dass unsere Krankenhäuser in Folterkammern und unsere Ärzte in Gefängniswärter verwandelt werden." Das absolute Abtreibungsverbot treibe die Frauen ins Ausland, um den Eingriff vornehmen zu lassen. Statt mit Verboten wollen die Gegner lieber mit Aufklärungen und Bildung gegen ungewollte Schwanerschaften vorbeugen.

5 Jahre Haftstrafe für Abtreibung

Nach dem neuen Gesetz würden sowohl die ausführenden Ärzte wie die betroffenen Frauen mit bis zu fünf Jahren Haft betraft. Das polnische Gesetzt zur Abtreibung ist sowieso schon eines der schärfsten und sieht eine straffreie Abtreibung nur bei Gefahr für die Mutter, Vergewaltigung und Inzest oder einer unheilbaren Erkrankung des ungeborenen Kindes vor. Im Jahr 2014 wurden in #Polen nach Angaben des staatlichen Gesundheitsfonds 1812 Abtreibungen vorgenommen – trotzdem schätzen Frauenrechtlerinnen, dass jedes Jahr etwa 100 000 Polinnen illegal eine Schwangerschaft abbrechen. Das neue Gesetz würde diese Situation wohl verschärfen.

Erst vergangene Woche war der Gesetzesentwurf auf Betreiben des Bürgerkomitees "Stoppt Abtreibung" im Parlament angenommen worden - ein alternativer, liberaler Entwurf wurde von dem regierenden nationalkonservativen Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS) dominierten Parlament abgelehnt. Doch selbst Pis-Chef Jarosław Kaczyński ist gegen das absolute Verbot der Abtreibung. Die Botschaft der Proteste schien aber in der Politik angekommen zu sein: Wissenschaftsminister Jaroslaw Gowin sagte am Mittwoch die Proteste hätten "uns zum Nachdenken gebracht". Es werde kein Totalverbot für Abtreibungen geben. Ob Polen ganz auf eine Verschärfung verzichten wird, ist offen.