In den 1820ern kamen die deutschen Siedler nach Lodsch, um dort die Textilindustrie zu gründen. Dann wurde aber #Polen zum Teil Russlands. Das 19. Jahrhundert war die Zeit des Friedens und der Freundschaft zwischen den Deutschen und Russen. Dann aber kam ein #Krieg, der seit mehr als einhundert Jahren andauert und nicht enden will. Und die Polendeutschen fielen dem Krieg zum Opfer.

Wie die Deutschen als wirtschaftliche Flüchtlinge nach Polen kamen

So schrieb ein hochrangierter evangelischer Pfarrer im offenen Brief an die Leser der deutschsprachigen Presse im Kongreßpolen: „Es ist die historische Wahrheit, dass mit Ausnahme einer Reihe an den Fingern abzuzählender Familien alle anderen deutschen Einwanderer bereuenswert arme Schlucker waren, denen auf Kosten des polnischen Staates und des polnischen Volkes [...] allseits eine gesicherte Existenz gegründet wurde.

Werbung
Werbung

Selbstverständlich muss in jeder Weise anerkannt werden, daß die deutschen Einwanderer mit dem ihnen übergebenen Pfand gut gewirtschaftet haben und dass sie das Vetrauen, das die polnische Regierung in sie gelegt hat, nicht enttäuscht haben.“ (Die Deutschen in Polen, „Neue Lodzer Zeitung“ – „Beilage zu Nr. 315 «Neue Lodzer Zeitung»“, 17. Nov. 1918, S. 1)

Solche Leute wie er haben ihre Wahl getroffen. Sie hatten nichts dagegen, im polnischen Staat zu leben und ihm zu dienen. Nicht nur aus Dankbarkeit, sondern auch aus religiösen Gründen. Denn: „Zu den eigentlichen Zielen der alldeutschen Bewegung [...] gehört auch die Ersetzung der christlichen Kirche durch eine neue «Deutschkirche».“ (ibidem)

Der kaiserlich-deutsche Raubüberfall auf Industrie des Russisch-Polens

Im Ersten Weltkrieg: „Die Industrie des Königreichs Polen ist, mit Ausnahme der Kohlenbergwerke [...] und der Zuckerfabriken, fast vollständig zum Stillstand gekommen.

Werbung

[...] Der polnischen Industrie wurde alles weggenommen, was ihr zur Produktionstätigkeit notwendig war: Rohstoffe, Schmiermaterialien, Hilfsmaterialien, Transmissionsriemen, Kessel, Dampfmaschinen, ein bedeutender Teil der Werkzeugmaschinen und die meisten Kupferteile der Fabrikeinrichtungen. Nach dieser Enteignung setzte während des vergangenen Winters die vielleicht furchtbarste Requisition [d. h. Beschlagnahmung] von Eisen in jeder Gestalt ein, selbst die Fabrikeinrichtungen nicht ausgenommen“ (Henryk Tennenbaum, Die deutschen Behörden und die Industrie Polens, „Neue Lodzer Zeitung“, 18. Nov. 1918, S. 1)

Halb Lodsch musste damals, um nicht zu verhungern, in Dörfer abwandern, um dort oft nur für Lebensmitel und ein Dach über dem Kopf zu schuften. Lodsch und Warschau wurden durch deutsche schwere Artillerie und Luftschiffe bombardiert; mit hunderten Toten und tausenden Obdachlosen unter der Zivilbevölkerung. Die reichsdeutschen Landsleute brachten also den Polendeutschen Hunger, gewaltsamen Tod und Verzweiflung sowie schweren Kampf ums Überleben mit sich.

Werbung

Kampf den bolschewistischen Invasoren!

Nach solchen Erfahrungen mußten die Polendeutschen einsehen, dass das Deutsches Reich wie ein Albtraum und Polen die gute Mutter und wahres Vaterland war. Umso mehr eilten die polnischen Behörden schon in den ersten Tagen der wiedererlangten Unabhängigkeit der beraubten Industrie in jeder nur erdenklichen Form zur Hilfe . Während in Posen die Abgeordneten des polnischen Sejms Spickermann und Friese die Deutschen zu einem Zusammenhalt aufriefen in der Hoffnung der Wiedergewinnung der preussischen Ostgebiete durch Deutschland, war so was in Lodsch undenkbar.

Denn dort wollte jeder seine Freiheit, durch polnische Verfassung und Tradition gewährt, verteidigen. Z. B. sind die Schüler sämtlicher Mittelschulen mit deutscher und polnischer Unterrichtssprache, samt ihren Lehrern in die Reihen der polnischen Armee eingetreten. Im Sommer 1920 haben sie als Teil der Freiwilligen Armee den Vormarsch der Bolschewisten nach Warschau in einer historischen Schlacht aufgehalten. Und dies war nur der Anfang der Opferbereitschaft der Polendeutschen für ihr polnisches Vaterland. #Russland