Depression kommt aus dem Lateinischen von "deprimere": niederdrücken. Einige Menschen fühlen sich besonders im November oder bei schlechtem Wetter niedergeschlagen. Man spricht dann von einer saisonal-affektiven Störung, u.a. bekannt als Winterdepression. Aber längst tritt eine solche Niedergeschlagenheit bei vielen Zeitgenossen nicht nur als saisonale Gemütsschwankung auf. Depressionen können aus der Überforderung in der modernen Berufswelt oder im Privatleben resultieren. Der Auslöser dafür ist gleichzeitig auch der Feind eines modernen Menschen und uns allen schon einmal begegnet: Stress. Aktuelles Beispiel: Der TV-Moderator und Journalist Reinhold Beckmann sagte kürzlich die Sportschau-Moderation ab. Er habe mit Schwindel und Gleichgewichtsstörungen zu kämpfen gehabt, leide an einem Erschöpfungssyndrom.

Natürlich erkrankt nicht jeder Gestresste automatisch an Depressionen, aber faktisch erhöht Stress das Risiko für eine solche Erkrankung. Wissenschaftlich gesehen führt Stress zu einer verstärkten Ausschüttung des Stresshormons Cortisol, welches, wenn es ständig in zu hoher Konzentration vorhanden ist, die neurobiologischen Regulatoren in uns durcheinander bringen und sogar die Hirnzellen schädigen kann. Angstzustände sind dann beispielsweise alarmierende Begleiterscheinungen einer Depression.

Von 2000 bis 2013 nahmen die Fehlzeiten in deutschen Unternehmen aufgrund von Depressionen um fast 70 Prozent zu. Dies geht aus dem Depressionsatlas 2015 der Techniker Krankenkasse (TK) hervor. Woran liegt das? Sicherlich stellt die sich rasant verändernde Arbeitswelt zu große Anforderungen an die Menschen. Der moderne Arbeitnehmer hat immer erreichbar zu sein und auch sofort zu reagieren, wenn es die Situation erfordert. Er muss schnell sein, macht aber auch eher Fehler, weil er in kürzerer Zeit mehr leisten muss. Diese Fehler werden ihm dann gleichzeitig zum Verhängnis bei der Leistungsbeurteilung durch seine Vorgesetzten. Auch im Privatleben kann eine Überforderung zu Depressionen führen. So hat eine Studie der Princeton-Universität ergeben, dass Väter in Patchwork-Familien häufig an Depressionen leiden, weil sie gleichzeitig drei anstrengende Rollen ausfüllen müssen. Sie sollen sich um ihre eigenen Kinder aus einer früheren Beziehung, um die Kinder ihrer Partnerin und auch noch um den gemeinsamen Nachwuchs kümmern. Das Risiko für eine Depression liegt dieser Studie zufolge bei Patchwork-Vätern um 57 Prozent höher als bei Vätern in herkömmlichen Familien mit nur einer Rolle. Wer viel Verantwortung hat, kann sich leicht überfordern.

Doch wie können wir der Zivilisationskrankheit "Depression(en)" vorbeugen? Keine Verantwortung zu übernehmen, kann nicht die Lösung sein, weder privat noch im Job. Das Zauberwort heißt "Entschleunigung". Die Rückkehr zu mehr Langsamkeit oder zu weniger Tempo ist kein moderner Mythos, sondern erlebbare Realität.

Hier ein paar Entschleunigungs-Tipps: Genießen Sie das morgendliche Frühstück nicht nur am Wochenende, sondern jeden Tag. Verzichten Sie dabei auf den Blick in die Zeitung oder auf Ihren Laptop. Stellen Sie Ihr Mobiltelefon nach Feierabend einfach mal aus. Am besten legen Sie es ganz außer Sichtweite. Nehmen Sie sich jeden Tag Zeit nur für sich, egal ob 15 Minuten oder eine Stunde- die Zeit gehört nur Ihnen. Es ist Ihre persönliche Auszeit. Experten raten sogar dazu, zwei Stunden am Tag mit Dingen zu verbringen, die Ihnen persönlich Freude machen. Wenn Ihre persönliche Zufriedenheit steigt, dann haben Sie auch weniger Stress. Damit schlagen Sie Depressionen ein Schnippchen, ganz bestimmt!

Schreiben Sie mir, wie Sie Ihr Leben entschleunigen. jh



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