Es entwickelt sich zum schlimmsten Ausbruch der Masern, seit man 2001 das Infektionsschutzgesetz eingeführt hat. Weit über 500 Menschen haben sich zwischen Oktober 2014 und Februar 2015 mit der hochansteckenden Krankheit infiziert. Den traurigen Höhepunkt der Epidemie stellt der Tod eines nicht einmal zweijährigen Jungen dar, welcher vergangenen Mittwoch in einem Berliner Krankenhaus den Folgen der Masern erlegen ist, wobei noch nicht mit Gewissheit festgestellt werden kann, wo er sich angesteckt hat. Wie in solch einem Fall vorgeschrieben, hat die Klinik das Gesundheitsamt informiert, wonach die Senatsverwaltung über das ebenfalls darüber unterrichtete Landesamt für Soziales und #Gesundheit davon in Kenntnis gesetzt worden ist.

Diskussion um Impfpflicht

Auf einer am Montag abgehaltenen Pressekonferenz gibt Gesundheitssenator Mario Czaja (CDU) die Informationen an die Öffentlichkeit weiter. Entgegen der Bekanntgabe der Todesursache des Jungen durch den Politiker, lässt das zuständige Krankenhaus, die Charité, am Abend in einer Pressemitteilung verlauten, dass diese noch nicht abschließend untersucht sei.

Dennoch ist die Bedrohung durch den Masernvirus entschieden ernst zu nehmen. Deshalb fordert Czaja in diesem Zusammenhang noch einmal nachdrücklich zur Überprüfung des eigenen Impfstatus auf und kritisiert die von Impfgegnern betriebene Verharmlosung der Masern als Kinderkrankheit. Im Inforadio des „rbb“ bezeichnet sich der Senator zwar als Freund der Impfpflicht, erwähnt jedoch auch die Schwierigkeit, die mit einem solchen Zwang verbunden sei. Diese bestünde darin, dass die eigentlichen Impflücken bei Erwachsenen auftreten, deren Auferlegung einer Impfpflicht sich als problematisch herausstellen könne. Der CDU-Gesundheitspolitiker Jens Spahn erklärt sie allerdings im Gespräch mit der „Welt am Sonntag“ für notwendig, sofern man die Impfraten nicht mit gegebenen Mitteln steigern könne. Oppositionspolitiker der Grünen und Linken hingegen lehnen die umstrittene Impfpflicht ab, allen voran der Gesundheitsexperte der Berliner Grünen, Heiko Thomas. Im „Tagesspiegel“ warnt er vor einem Zwang zur Impfung, unter anderem weil die Behandlung gegen den Willen einer Person nicht nur rechtlich problematisch sei. Brandenburgs Gesundheitsministerin Diana Golze (Linke) weist darauf hin, dass man mit solch einer Verordnung Skeptiker nicht überzeugen könne.

Vorbeugende Schließung einer Berliner Schule

Am selben Tag, an dem auch die Pressekonferenz zum Tod des Jungen stattgefunden hat, muss eine Schule im Berliner Ortsteil Lichtenrade als Vorkehrung geschlossen bleiben. Ursache ist laut einer Sprecherin des Berliner Senats der schwerwiegende Verlauf, den die Infektionskrankheit bei einem Jugendlichen genommen hat. Die Art und Weise, wie mit diesem Risiko umgegangen wird, stößt nicht bei allen auf Zustimmung: Die Gesundheitsstadträtin Sibyll Klotz (Grüne) bezeichnet die Schließung als „vollkommen überzogene Maßnahme“.


Präventionsgesetz als erster Schritt

Der Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) möchte die Aufklärung im Kampf gegen Masern verstärken und rät mit Nachdruck dazu, empfohlene Impfungen nachzuholen. Gegen die Panikmache, die von Impfgegnern ausginge, spricht er sich aus. Zudem verweist er, ebenso wie Czaja, auf den aktuellen Entwurf des Präventionsgesetzes, das noch 2015 verabschiedet werden soll. Auf dessen Grundlage müssten Eltern, bevor sie ihr Kind in einer Kita anmelden können, eine Bescheinigung dafür vorlegen, dass sie eine Impfberatung absolviert haben. Einer Sprecherin des Bundesgesundheitsministeriums zufolge setze man zunächst erst einmal auf solch eine Richtlinie, nehme aber die aktuelle Lage sehr ernst.