BEL ist die medizinische Abkürzung für Beckenendlage: Die Poleinstellung, also die Richtung, in die das ungeborene Kind im Bauch der Mutter schaut, ist dabei verkehrtherum. Also nicht mit dem Kopf, sondern mit dem Steiß nach unten. Daher wird diese Form der Geburt auch Steißgeburt genannt. Allerdings befinden sich nur ca. 3 % aller Kinder in dieser Position.

Wer heute in Österreich schwanger ist und sich das Kind nach der 34. Schwangerschaftswoche noch nicht mit dem Kopf nach unten gedreht hat, wird sektioniert. Soll heißen: ein Kaiserschnitt wird geplant und in den meisten Fällen auch durchgeführt. Doch was, wenn die Frau sich aus Risikogründen gegen den Kaiserschnitt entscheidet? Was, wenn sie die Spontangeburt versuchen will?

In Wien gibt es heute nur noch ein Krankenhaus, das diese "gefährliche" BEL - Beckenendlage-Geburten durchführt: das St. Josef Krankenhaus. Nur dort sind die Gynäkologen noch ausgebildet, diese Form der Geburt zu begleiten. Wo genau liegt da das Problem, was ist so gefährlich an der Steißgeburt? Die Angst der Ärzte liegt darin, dass das Kind die Nabelschnur abdrücken könnte und damit die Sauerstoffzufuhr unter der Geburt verschlechtert oder abgebrochen sein könnte. Wobei man hier dringend auf den Konjunktiv achten sollte! Kinder werden in vielen Ländern dieser Welt auch mit BEL ohne Kaiserschnitt gesund geboren und vor 100 Jahren konnte das auch fast jeder Gynäkologe durchführen. Leider wird mit jedem Kaiserschnitt, einem neuen Jungarzt die Möglichkeit verwehrt diese Geburtshilfeform zu erlernen.


Das wirft die Frage auf, ob die Geburtshilfe auf Seiten der Ärzte nicht vielleicht in die falsche Richtung geht. Es gibt kaum noch Jungärzte, die diese Form der Geburtshilfe kennengelernt haben, geschweigen denn durchführen können. Vielleicht sollte endlich ein Schritt in die andere Richtung getan werden, denn längst ist bekannt, dass der Kaiserschnitt mehr Risiken birgt, als ursprünglich angenommen. Es gibt mittlerweile einige Studien, die deutlich zeigen, dass Asthma, Allergien und Darmfloraprobleme bei Kaiserschnittkindern wesentlich häufiger sind (Studie von Koletzko). Auch für die Mutter ist dieser operative Eingriff nicht immer ganz einfach wegzustecken und es sollten Vor- und Nachteile in Zusammenarbeit mit Arzt und Hebamme gründlich abgewogen werden.

Hoffentlich wird bald ein neuer Weg in der österreichischen Geburtshilfe eingeschlagen, sonst werden bald alle Beckenendlagen per Kaiserschnitt auf die Welt kommen.

Bild: Schwangerschaft [CC BY-SA 2.0] / Flickr.com. #Gesundheit