Ob Fernsehen, Zeitschriften oder Internet: Den Werbeannoncen der neuen, digitalen Fitness-Anbieter kann man kaum noch entgehen. 8,6 Millionen Deutsche waren Ende 2013 bereits Mitglied in einem der unzähligen Fitnessstudios in den Städten. Mit den neuen "Fitness-Studios 2.0", die keine Anreise zu den verschwitzten Mucki-Buden in den Industriegebieten deutscher Großstädte mehr erfordern, wurde der millionenschwere Markt ordentlich aufgemischt. Der bisherige Platzhirsch im Billig-Segment, McFit, kündigte bereits an, mit neuen Billig-Studios punkten zu wollen: 9,95 Euro soll dort der Mitgliedsbeitrag im Monat gerade mal betragen.

Doch können die digitalen Alternativen wirklich mithalten? Wer die beiden Platzhirsche, Gymondo und Freeletics, vergleicht, wird schnell feststellen, dass ein Fehlgriff böse Folgen haben kann.

Freeletics richtet sich an Freizeit-Athleten

Freeletics wirbt mit Körper-Transformationen in wenigen Wochen und athletischen Körpern. Auf der, in Anthrazit- und Schwarz-Tönen gehaltenen Website empfangen einen düstere, muskulöse Gestalten. "Absolute Freiheit" bei der Trainingsgestaltung und "hochintensive Workouts" werden beworben. Wer hereinschnuppern will, kann sich kostenfrei anmelden und Übungen anschauen.

Im Vergleich mit herkömmlichen Studios konkurrenzlos günstig

Für Trainingspläne und Ernährung sowie für Coaching muss gezahlt werden: 3 Monate kosten derzeit 34,99 Euro, 6 Monate 59,99 Euro und 12 Monate 79,99 Euro. Monatsbeiträge zwischen 6 und 12 Euro sind jedenfalls derzeit in klassischen Studios unvorstellbar - und Freeletics damit an sich erstmal eine günstige Alternative. Entscheidet man sich für eine Mitgliedschaft, erwarten einen von Beginn an Profi-Übungen: Vorsorglich wird gleich vor dem ersten Muskelkater gewarnt.

Vorsicht: Verletzungsgefahr für blutige Anfänger

Wer bisher nicht sonderlich sportlich ist oder stark abnehmen möchte, wird oftmals schon am ersten Tag überfordert sein: Intensität und Übungsschwierigkeit sind nicht an Anfänger angepasst. Groß ist die Gefahr, dass ein "Bierbauch" eine korrekte Übungsausführung schon physikalisch verunmöglicht und, dass Übungen falsch ausgeführt werden: Wer keinen erfahrenen Trainingspartner hat, läuft damit Gefahr sich zu verletzen.

Für Profis nicht unbedingt erforderlich

Als Pluspunkt ist die separate App zu erwähnen, die das Trainingsprogramm mobil macht; und die für Sportler mit professionellen Ambitionen tatsächlich interessanten Programme und Übungen. Auf der anderen Seite stellt sich hier jedoch die Frage, ob ein Hobby-Athlet nicht Kenntnisse und Motivationsfähigkeiten genug hat, um sich aus Büchern einen Trainingsplan zu erstellen und damit kostengünstiger selbst zu trainieren. Ein Vorteil von Freeletics ist definitiv die Community: In vielen Städten gibt es Facebook-Gruppen mit dutzenden anderen "freien Athleten", die gemeinsam auf öffentlichen Plätzen trainieren.

Gymondo ist die sanftere Alternative

Gymondo kommt schon von der Farbgestaltung freundlicher daher. Die Programme wie "Schlank für die Hochzeit" signalisieren bereits: Hier geht es nicht darum, den nächsten Usain Bolt heranzuzüchten, sondern um praktische Abnehmprogramme, vornehmlich für Frauen. Auch werden die Übungen nicht einzeln in Kurzvideos dargestellt, sondern Gymondo soll zuhause vor dem Bildschirm stattfinden. In circa halbstündigen Videoeinheiten werden die Übungen von drei Trainern vorgeführt: Ein Haupt-Coach, der verbal motiviert, eine Trainerin, die die leichteren Varianten der Übungen für Anfänger vorführt und ein Athlet, der eine fortgeschrittenere, schwierigere Variante präsentiert. So ist für jeden etwas dabei. Auch preislich unterbietet Gymondo die Konkurrenz: Das monatlich kündbare Abonnement kostet gerade mal 8,99 Euro. Wenn man sich länger bindet, kann man auf Monatskosten von gerade mal 4,99 Euro kommen. Wer aber Muskelaufbau oder knallhartes Ausdauertraining haben möchte, ist wohl trotzdem besser bei Freeletics aufgehoben.

Finger weg bei gesundheitlichen Einschränkungen!

Für gesundheitlich eingeschränkte Personen gilt allerdings: Weder Billig-Studios mit mäßiger Betreuung, noch Online-Fitness sind die richtige Adresse, sondern einzig und allein therapeutische Studios mit möglichst intensiver Betreuung und individuell verträglichem Trainingsplan. Hier geht es allerdings weiterhin bei 50 Euro im Monat los - mit viel Luft nach oben. #Gesundheit #Sport