Die Angst vor Impfschäden verunsichert viele Eltern, die sich dadurch gegen wichtige Impfungen ihrer Kinder entscheiden. Wie die kürzlich aufgetretenen Fälle von Masern zeigen, kann dies eine Entscheidung mit tödlichen Folgen sein.

Bei fehlendem Impfschutz sind die Kinder jedoch nicht nur dem Risiko ausgesetzt, sich mit der entsprechenden Krankheit zu infizieren. Wissenschaftler um Jacqueline Müller-Nordhorn der Charité in Berlin konnten in einer aktuellen Studie einen Zusammenhang von Impfquoten mit dem plötzlichen Kindstod zeigen.

Der plötzliche Kindstod ist weltweit eines der häufigsten Risiken für die Sterblichkeit im ersten Lebensjahr. Die Ursachen hierfür sind bisher weitgehend unbekannt. Als ein Risikofaktor galt bisher das Schlafen in Bauchlage. Die Berliner Wissenschaftler werteten zahlreiche Daten mehrerer Jahrzehnte zur Sterblichkeitsrate durch plötzlichen Kindstod aus. Hierbei stellten sie einen Zusammenhang zwischen steigenden Impfquoten mit einer sinkenden Sterblichkeitsrate durch den plötzlichen Kindstod fest.

Abhängig von Impfempfehlungen und gesellschaftlichen Stimmungen variierten die Impfquoten in den USA gegen Keuchhusten, Diphtherie, Tetanus und Polio in den letzten 40 Jahren. In Jahren mit mehr gegen Diphtherie, Keuchhusten, Tetanus oder Polio geimpften Kindern sanken die Zahlen der Säuglinge, die an plötzlichem Kindstod starben. Umgekehrt kam es in Jahren mit niedrigeren Impfquoten zu mehr Sterbefällen durch den plötzlichen Kindstod.

Der Vergleich von Daten unterschiedlicher Länder, in denen die Impfstoffe gegen Keuchhusten, Diphtherie und Tetanus teilweise nicht als Kombinationsimpfung verabreicht wurden, lassen hauptsächlich einen Einfluss der Keuchhusten-Impfung und weniger der Diphtherie- und Tetanus-Impfung vermuten. Eine mögliche Ursache für den plötzlichen Kindstod könnte daher eine nicht festgestellte Erkrankung an Keuchhusten sein. Der Krankheitserreger, das Bakterium Bordetellla pertussis, führt anfangs zu unspezifischen, Grippe-ähnlichen Symptomen. Die infizierten Kinder zeigen nicht immer die typischen Symptome mit krampfartigem Husten oder Keuchhusten. Die Keuchhusten-Impfung schützt gegen eine Infektion mit dem Bakterium.

Da ein Anstieg der Impfraten häufig zeitgleich zu Aufklärungskampagnen hinsichtlich der Schlafposition von Säuglingen in Rückenlage erfolgte, lässt sich der jeweilige Einfluss auf den plötzlichen Kindstod jedoch schwer bestimmen. Außerdem könnten weitere Faktoren, wie das Rauchverhalten der Eltern, das Stillen der Säuglinge und Benutzung von Schnullern einen Einfluss auf den plötzlichen Kindstod haben. Da jedoch auch in Deutschland mit der Keuchhusten-Impfung die Häufigkeit des plötzlichen Kindstodes sank, spricht dies neben anderen Gründen für eine Impfung der Kinder. #Gesundheit