Dass sich die Menschen in Österreich glücklich schätzen dürfen, ist sicher: Österreich hat weltweit gesehen Spitzenvoraussetzungen, wenn es um Wasser geht. Sowohl geographische als auch geologische Gegebenheiten erlauben es den Menschen, getrost den Wasserhahn aufzudrehen und das Leitungswasser bedenkenlos zu genießen. Wasser gibt es in Massen, und dass das Wasser in Österreich obendrein Top-Qualität aufweist, lernt man dort von klein auf. Doch stimmt das auch wirklich? Nun, die kurze Antwort lautet: Nein.

Erhöhte chemische Werte

Die etwas längere Antwort besagt, dass das Wasser nicht einfach so aus den Leitungen sprudelt. "Es ist kurios: Wir haben alle Voraussetzungen für bestes Wasser, aber dennoch kommt diese Qualität nicht beim Kunden im Wasserglas an", stellt Stephan Bruck der APA zufolge fest. Der Geschäftsführer der AQA (Aqua Quality Austria) zeigt damit den beunruhigenden Unterschied in der Qualität von Quellwasser und der Wasserqualität beim Konsumenten auf:

Intensive Flächennutzung, aber vor allem problematische Leitungen und Armaturen reichern das Wasser mit chemischen Zusätzen an, bevor es in unseren Gläsern landet. Von 30.000 Wasserproben weisen über 21 % erhöhte Werte in mindestens einem der fünf Parameter auf. Anders ausgedrückt: Etwa ein Fünftel der österreichischen Haushalte konsumiert mit dem Leitungswasser einen chemischen Cocktail aus Blei, Kupfer und Chrom mit.

Besonders betroffen sind davon östliche Bundesländer, wie Niederösterreich und das Burgenland, Spitzenreiter ist allerdings Wien, wo jede vierte Probe erhöhte Blei-Werte aufweist. Bruck appelliert hier vor allem an die Leitungs- und Armaturen-Industrie für qualitativere Transportwege des Wassers. Dennoch muss er laut APA feststellen: "Eine Verbesserung der Situation ist nicht in Sicht."

Besonders hauseigene Brunnen sind betroffen

Eine Million Menschen in Österreich sind nicht an die öffentliche Wasserversorgung angeschlossen und versorgen sich folglich selbst. Das geschieht in der Regel mit Hilfe eines Hausbrunnens. Das heißt aber auch, dass dieses Wasser nicht den öffentlichen Kontrollen unterzogen wird und jeder Haushalt selbst für die Qualität des Wassers zuständig ist.

Das bedeutet in der Praxis aber vor allem eines: Starke Mängel in der Qualität. Erhöhte Nitratwerte und ein schlechter allgemeiner hygienischer Zustand der Hausbrunnen haben oftmals die Bezeichnung "nicht genusstauglich" zur Folge. Wieder zeigen sich hier gerade in den östlichen Landesteilen negative Spitzenwerte.

Jeder kann selbst zur Verbesserung beisteuern

Die größten Überschreitungen der Grenzwerte findet man im Stagnationswasser, also wenn Wasser lange in den Leitungen steht. Hier hilft es, das Wasser vor dem Konsum so lange kalt laufen zu lassen, bis die Temperatur gleich bleibt.

Auf der ganz sicheren Seite ist, wer sein Wasser regelmäßig untersuchen lässt. Das geht am einfachsten mit unabhängigen WasserChecks am Austrian Institute of Technology (AIT). Um das Bewusstsein für Wasser zu stärken, existiert außerdem seit 1993 der jährlich am 22. März stattfindende Weltwassertag, der dieses Jahr unter dem Motto "Wasser und nachhaltige Entwicklung" stand.

Im internationalen Vergleich hat Österreich nämlich noch immer eine extrem bevorzugte Stellung: Den Vereinten Nationen nach, steht 748 Millionen Menschen nach wie vor kein sauberes Trinkwasser zur Verfügung, und 2,5 Milliarden Menschen fehlen hygienische sanitäre Anlagen. (APA)

Bild: Christa El Kashef / pixelio.de.
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