Ob Blinddarm oder Mandeln entfernt werden oder ein Herzschrittmacher implantiert wird - in Deutschland gibt es Regionen, in denen achtmal häufiger operiert wird als anderswo. Einige Landkreise weisen eine mehr als 30 Prozent höhere Operationsrate als der Bundesdurchschnitt auf. Lassen sich solche Zahlen künftig voraussagen?

Es gibt regionale Unterschiede

Menschen in unterschiedlichen Regionen fühlen sich unterschiedlich krank oder sind es tatsächlich. Das bestätigt unter anderem die vom Robert Koch Institut betreute Studie „#Gesundheit in Deutschland aktuell 2012“ (GEDA), in der 19 000 Menschen bundesweit zu ihrem Gesundheitszustand befragt worden waren. So sind Baden-Württemberger selten chronisch krank und treiben mehr Sport als der durchschnittliche Bundesbürger. Bayerinnen schätzten ihre Arbeitsbedingungen seltener als stark gesundheitsgefährdend ein als Frauen im Osten Deutschlands. In den von den Wissenschaftlern als Region Ost bezeichneten Gebieten wurden mehr Fälle von Diabetes, Adipositas und Bluthochdruck festgestellt, dafür litten Frauen in Mecklenburg-Vorpommern, Berlin, Brandenburg und Sachsen- Anhalt seltener an Asthma.

Trotzdem schlechte Datenlage in Deutschland

Der Berliner Soziologe Dr. Lars Eric Kroll forscht seit Jahren zur Thematik. „Wir verfügen über relativ wenig statistische Daten zur regionalen Häufigkeit von Erkrankungen“, sagte er auf dem 20. Kongress „Armut und Gesundheit“, der heute in Berlin zu Ende ging. In der Regel können dafür nur Abrechnungsdaten der Krankenkassen herangezogen werden. Bei einigen Erkrankungsgruppen können die Wissenschaftler nur auf Schätzungen zurückgreifen, bei anderen beruhen die Angaben auf Selbstangaben von Bürgern im Rahmen des Mikrozensus.

Mehr Unterschiede bei differenzierter Raumordnung

Betrachtet man beispielsweise die Lebenserwartung, werden die Unterschiede umso deutlicher, je tiefer die Raumordnung ist. Das heißt, erscheinen auf einer Deutschlandkarte einige Regionen relativ einheitlich, treten die Differenzen stärker hervor, sobald man sich die 402 Landkreise einzeln anschaut. Das Robert Koch Institut will nun eine Prognose der regionalen Entwicklungen für Gesundheit und Gesundheitsversorgung auf Kreisebene in Deutschland versuchen. „Der demografische Wandel ist nicht alles“, sagt Kroll, „wir benötigen eigene Erklärungsversuche.“ Er hält auch sozioökonomische Faktoren für nicht unerheblich und will sie bei den Untersuchungen mit berücksichtigen. Allerdings befinden sich diese noch im Anfangsstadium.