Trauer tut weh und das haben die meisten Menschen schon am eigenen Leib erfahren. Ob es der Tod des Lebenspartners oder eines anderen geliebten Menschen ist. Psychisches Leiden, das nicht mit Pillen oder Therapien unter Kontrolle zu bekommen ist, erzeugt Hilflosigkeit. Man empfindet die Trauer als einschneidende Unterbrechung des Lebens, verzweifelt an den eigenen Gefühlen und ist überzeugt, nie wieder Freude am Leben empfinden zu können.

Obwohl früher oder später jeder Mensch mit dem Thema Verlust in Berührung kommt, gibt es erst seit ca. 25 Jahren systematische Forschungen zu diesem Thema. Die Palette reicht von Sigmund Freud, welcher die Trauerarbeit postulierte, über die Sterbeforscherin Elisabeth Kübler-Ross, deren entdeckte „Sterbephasen“, auch auf die Trauernden übertragen wurden, bis hin zu modernen Methoden wie EMDR. Als EMDR wird ein, von Shapiro und Hofmann entwickeltes, Verfahren im Rahmen der Traumaforschung bezeichnet, in welchem mit Augenbewegungen gearbeitet wird.

Die Kernaussagen der neuesten Forschungen sollten sich Trauernde unbedingt zu Herzen nehmen: Es gibt keine Regeln, wie man optimal mit seiner Trauer umgeht. Auch lässt sich die Frage, wie lange man trauern soll, nur mit der eigenen Befindlichkeit beantworten. Der jeweilige Mensch, mit seinen Eigenarten und individuellen Schmerzgrenzen, steht im Mittelpunkt.

Wer trauert, sieht sich oft unter Druck gesetzt, möglichst rasch in den normalen Alltag zurückzukehren. Wer diesem Druck nachgibt, bringt sich selbst um die Möglichkeit emotionell am Verlust zu wachsen. Trauerbewältigung ist vorwiegend ein passiver Prozess, auf den man sich einlassen muss.

Probleme zu lösen ist ein Bestandteil unserer Kultur. Aktiven Prozessen wird dabei der Vorrang gegenüber passiven Prozessen eingeräumt, aber oft sind es gerade die passiven Prozesse, die am kraftvollsten sind. Sicherlich ist es Willensarbeit, sich unmittelbar nach einer Verlusterfahrung Minute für Minute durchs Leben zu kämpfen, nichts macht mehr Sinn und jeder ertragene Tag führt in eine ungewisse Zukunft. Trotzdem ist es notwendig sich auf den passiven Prozess des Trauerns einzulassen.

Dieses Einlassen bedeutet in erster Linie, die eigenen Emotionen zuzulassen, aufhören zu bewerten und das Auf und Ab der Gefühle zu beobachten. Schmerz erfolgt zyklisch: So sicher man von der Welle des Schmerzes davongetragen wird, so sicher wird man auch wieder abgesetzt. Keine Welle dauert ewig. Nach und nach werden die Wellen weniger. Das „Nichtkommentieren“ der Gefühlszustände nimmt die Schärfe.

Finden Sie für sich persönlich heraus wie Sie mit diesem Auf und Ab umgehen. Ob Sie sich ein Ritual ausdenken, sich einer Trauergruppe anschließen oder im Gespräch mit anderen Menschen Trost suchen: Richtig ist, was Ihnen hilft. #Gesundheit #Depression