Der DAK-Gesundheitsreport 2015 zeigt auf: Drei Millionen Beschäftigte in Deutschland dopen sich, um mit den höheren Belastungen und dem Stressanstieg am Arbeitsplatz zurechtzukommen. Alarmierende Zahlen, wenn man bedenkt, dass so viele Arbeitnehmer in Deutschland Stimmungsaufheller oder leistungsstärkende Medikamente benötigen, um über den Arbeitstag zu kommen. Das Auffällige an den Ergebnissen ist jedoch, dass es nicht die Führungskräfte in ihren vermeintlich verantwortungsvolleren Positionen sind, die zur Pillendose in der Schreibtischschublade greifen. Mit diesem Klischee räumt der Gesundheitsreport ebenfalls auf. Tatsächlich sind es Arbeitnehmer wie Du und ich.

Ein wesentlicher Stressfaktor für Arbeitnehmer ist der eigene Chef. Ein Blick in deutsche Chefetagen großer Unternehmen zeigt: nicht selten sitzen die völlig falschen Personen auf den Chefsesseln. Warum? So stehen bei der Auswahl der Führungskräfte häufig nicht Führungskompetenzen im Vordergrund. Vielmehr haben sich heutige Führungskräfte auf fachlicher Ebene in ihren früheren Funktionen auf Mitarbeiterebene verdient gemacht, oft auf Kosten von Kollegen auf gleicher Ebene, und wurden aus Mangel an alternativen Entwicklungsperspektiven in Führungspositionen befördert. So führen Juristen, die früher erfolgreich Arbeitsgerichtsprozesse für ihren Arbeitgeber gewonnen haben, eines Tages ein ganzes Heer von Personalern oder nerdige IT-Spezialisten Informatikabteilungen.

Eine Vielzahl dieser dann fälschlicherweise für den Chefsessel ausgewählten Führungskräfte wird zu sogenannten "toxic leadern". Schädliche Führungskräfte richten jährlich einen unermesslichen Schaden in Organisationen an, in dem sie die Leistungsfähigkeit ihrer untergebenen Mitarbeiter vernichten, jegliche Motivation im Keim ersticken und durch ihr zerstörerisches Verhalten zu einem drastischen Absinken der Loyalität der Mitarbeiter gegenüber ihrem Arbeitgeber beitragen. Die Folge: Leistungsabfall, hohe Krankenquoten und in letzter Instanz Fluktuation!

Woran Sie erkennen, dass Sie von einem schlechten Chef geführt werden:

1. Die Verantwortung wird bei Fehlern oder Erfolglosigkeit gerne an andere abgeschoben. Erfolge hingegen verbuchen sie auf ihr eigenes Konto.

2. Sie zeigen widersprüchliche Verhaltensweisen: Arroganz gegenüber Untergebenen und Unterwürfigkeit in Anwesenheit ihres eigenen Vorgesetzten.

3. Veränderungen oder Innovationen werden grundsätzlich abgelehnt.

4. Narzissmus: Das eigene Selbstwertgefühl und die Aufrechterhaltung des positiven Selbstbildes stehen im Zentrum des eigenen Handelns.

5. Selbsterhaltungstrieb: Hauptmotiv ihres täglichen Agierens im Unternehmen ist stets die Sicherung der eigenen Machtposition.

Vielleicht sollte jeder Arbeitnehmer seinem miesen Chef mal diesen Artikel in seinen Posteingang legen. Achten Sie aber darauf, dass die Kamera nicht mitläuft!

Bild: Lloyd Morgan / flickr.com [CC BY-SA 4.0]. #Gesundheit #Depression