Jedes Jahr im April findet der Tag des Lärms statt. In diesem Jahr weltweit am 30. April, in Deutschland am 29. April. Die Deutsche Gesellschaft für Akustik stellt anlässlich des 18. Aktionstages unter dem Motto „Lärm - voll nervig“ den Lärmschutz für Kinder und Jugendliche in den Vordergrund. Die Initiatoren wünschen sich: „Um 14:15 Uhr soll für 15 Sekunden absolute Ruhe sein.“

In einer statista-Umfrage gaben 53 Prozent der Befragten an, dass Lärm ihre eigene #Gesundheit stark beeinflusst. Von Straßenverkehrslärm und Nachbarschaftslärm fühlten sich die meisten Deutschen belästigt. Streitgespräche der Nachbarn nervten 29,6 Prozent, noch vor Musik mit 26,2 Prozent und Kindergeschrei mit 21 Prozent oder Rasenmäher-Lärm mit 12,1 Prozent.

Wo fängt Lärm eigentlich an?

Zwischen absoluter Stille und dem Ticken einer Armbanduhr liegen zwischen zwölf und 25 Dezibel. Wirft jemand in zehn Meter Entfernung Flaschen in einen Glascontainer, steigt der Pegel über 65 Dezibel. Ein vorbeifahrendes Auto verursacht zwischen 70 und 90 Dezibel. Bei PKW-Hupen, Discomusik, Rockkonzerten oder Motorsägen werden über 100 Dezibel gemessen. Spitzenreiter mit über 120 Dezibel sind Gewitterdonner und Düsentriebwerke. Dort liegt auch die Schmerzgrenze. Doch Lärm schädigt das Hörvermögen schon bei niedrigeren Werten. Das Hörvermögen kann unter hear-the-world.com getestet werden.

Lärm ist ein Gesundheitsrisiko für den Gesamtorganismus

Betriebsärzte schätzen fünf Millionen Beschäftigte, die täglichem Lärm ausgesetzt sind. Meist unterschätzen sie die Langzeitauswirkungen. Für besonders gefährdete Arbeitnehmer, speziell in der Baubranche, in holzverarbeitenden Berufen, im Maschinenbau und in der Landwirtschaft, hat der Gesetzgeber festgelegt, dass am Arbeitsplatz 80 Dezibel nicht überschritten werden dürfen. Liegt der Pegel über 85 Dezibel, muss Gehörschutz getragen werden. Aber auch für Musiker, Lehrer und Erzieher ist Dauerlärm ein Risiko für die Gesundheit. Jährlich werden in Deutschland 5 500 neue Fälle von Lärmschwerhörigkeit als Berufskrankheit anerkannt. Das Problem: Lärmschwerhörigkeit kann nicht rückgängig gemacht werden. Zudem schädigt Lärm nicht nur die Ohren, sondern schüttet Stresshormone aus, erhöht Blutdruck und Puls sowie das Herzinfarktrisiko.

Wie sich Kinderohren schützen lassen

Die Europäische Union der Hörgeräteakustiker begrüßt es, wenn bereits Kinder und Jugendliche über verschiedene Möglichkeiten des Lärmschutzes informiert werden. Dazu können Schulen Workshops buchen und mit dem Lärmkoffer als „Lärmdetektive – Dem Schall auf der Spur“ sein. Jugendliche sollten leiser Musik hören oder Kopfhörer mit Lautstärkebegrenzung nutzen.

Bereits seit Jahren kann die einer Verkehrsampel nachempfundene „Lärmampel“ in Kindertagesstätten und Grundschulklassen eingesetzt werden. Wird es zu laut, zeigt das integrierte Lärmpegelmessgerät ein rotes, trauriges Smiley. Überschreitet die Raumlautstärke einen einstellbaren Wert zwischen 55 und 80 Dezibel, schaltet die Ampel von Grün und Gelb und dann auf Rot. Das verstehen schon Kleinkinder ohne erhobenen Zeigefinger.

Knapp 20 Prozent der Deutschen sind hörgemindert

Eine Studie der Universität Witten-Herdecke aus dem Jahr 2000 geht davon aus, dass 19 Prozent aller Deutschen über 14 Jahre hörbeeinträchtigt sind. Davon sind 56,5 Prozent leichtgradig, 35,2 Prozent mittelgradig, 7,2 Prozent hochgradig und 1,6 Prozent an Taubheit grenzend schwerhörig

Das bis Februar 2015 gelaufene und vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales geförderte Forschungsprojekt hoerkomm.de beziffert die Zahl mittel- bis hochgradig schwerhöriger Menschen in Deutschland auf sechs bis sieben Millionen. Nur zweieinhalb Millionen deutsche tragen ein Hörgerät.

Während nur ein Prozent der 14- bis 19-Jährigen und zwei Prozent der 20- bis 29-Jährigen hörbeeinträchtigt sind, kann ein Viertel der über 50-Jährigen und über die Hälfte der über 70-Jährigen nicht mehr richtig hören.

Gehör regelmäßig testen

Der Deutsche Schwerhörigenbund ist auch 2015 mit seinem Hörmobil auf Tour. Auftakt ist am 29. April von 10 bis 17 Uhr vor der „Mall of Berlin“ am Leipziger Platz in Berlin. Bis November werden 60 Städte bundesweit angefahren. In Kooperation mit zahlreichen Partnern werden kostenlose Hörchecks durchgeführt und individuelle Beratungen angeboten. Hörtests bieten darüber hinaus die meisten Hörgeräteakustiker kostenlos in ihren Filialen an.

So können Sie sich vor lärmbedingtem Hörverlust schützen:

  • Nicht zu laut aufdrehen: Ein Lärmpegel unter 85 dB gilt als sicher für unser Gehör. Wenn man Musik über Audio-Geräte hört, Lautstärke auf nicht mehr als 60 Prozent des Maximal-volumens aufdrehen.
  • Bei Konzerten, in Diskos und anderen lauten Umgebungen Ohrstöpsel tragen. Diese können den Lärmpegel um 5 bis 45 dB reduzieren.
  • Musik über Kopfhörer hören, welche gut sitzen und die Umgebungsgeräusche ausblenden. So kann man Musik in lauter Umgebung auch bei niedrigeren Lautstärken genießen.
  • Smartphone Apps nutzen, mit denen sich der Umgebungslärm messen lässt.
  • Ein ausreichender Abstand zur Geräuschquelle hilft Gehörschäden vermeiden.
  • Zur Regeneration bewusst akustische Pausen einlegen und alle Lärmquellen ausschalten.
  • Das Gehör regelmäßig durch einen Spezialisten überprüfen lassen.
Quelle: http://www.hear-the-world.com