Paraguay, Asunción - Am 21.April wurde ein 10 Jahre altes Mädchen von ihrer Mutter ins Krankenhaus der Stadt gebracht, weil es über Bauchschmerzen klagte. Nach der Untersuchung war klar, dass das Mädchen schwanger ist. Mittlerweile befindet sich das Mädchen in der 22.Schwangerschaftswoche und die Mutter des Mädchens versucht, bisher ohne Erfolg, ein Krankenhaus zu finden, welches bereit ist eine Abtreibung durchzuführen.

Das Mädchen soll von ihrem Stiefvater vergewaltigt worden sein. Der Mann befindet sich auf der Flucht. Organisationen wie Amnesty International machen auf die Gefahr des Verfahrens mit dem jungen Mädchen aufmerksam. Dabei geht es weniger um die Legitimität, egal ob moralisch oder rein juristisch, sondern viel mehr um die #Gesundheit des jungen Mädchens. Eine Schwangerschaft im Alter von 10 Jahren birgt viele Gefahren für das Mädchen mit einem Körper, der sich noch komplett im Wachstum befindet.

In Paraguay sind Abtreibungen in fast allen Fällen rechtswidrig. Dabei wird auch bei Schwangerschaften nach Vergewaltigungen selten eine Ausnahme gemacht.

Der Gesundheitsminister verteidigte diesen entsprechenden Auszug aus der Verfassung mit den Worten: "Das Leben ist zu schützen". Er plädiert für die Austragung des Babys, mit einer durch den Staat unterhaltenen Unterstützung des jungen Mädchens. Außerdem gab er an, dass im vergangenen Jahr 684 Mädchen zwischen 6 und 14 Jahren in Paraguay schwanger waren. Oft sollen diese Schwangerschaften durch Vergewaltigungen entstanden sein.

Amnesty International Paraguay nahm dazu in Person von María José Garcete Stellung. Sie verwies auf den Artikel 109 des Strafgesetzbuchs. Dieser legitimiere einen Schwangerschaftsabbruch, wenn das Leben der Mutter in Gefahr ist.

Wie in vielen anderen Südamerikanischen Ländern steht die überwiegend katholisch geprägte Gesellschaft Abtreibungen extrem kritisch gegenüber. Lockerungen dahingehend gab es zuletzt in Kuba und Uruguay.

Durch den neuesten bekannt gewordenen Fall der 10-Jährigen, deren Leben nun ernsthaft in Gefahr ist, entbrennt erneut eine Debatte um eine Veränderung der Verfassung, oder zumindest deren Auslegung. Spannend wären dazu Stimmen des Vatikans oder internationaler Abtreibungsgegner, die sich auch untereinander in solch grenzwertigen Fällen uneinig sind. Eine weitere Gefahr, die durch die Illegalität von offiziellen Abtreibungen besteht, ist die Durchführung von Abtreibungen von unzureichend ausgebildeten Menschen unter unangemessenen und gefährlichen Bedingungen. In vielen Ländern der Welt werden so die Leben der jungen Mütter aufs Spiel gesetzt

Quelle: ARTE Journal

Foto: Flickr.com - Lenadro M Ferreira #Internet