Kopfschmerzen, Nasenbluten oder Konzentrationsstörungen können auf viele Erkrankungen hinweisen. Dass auch Kinder und Jugendliche unter Bluthochdruck leiden können, vermuten Eltern – und oft auch Mediziner – auf den ersten Blick selten.

Ewa fünf Prozent der Heranwachsenden haben Bluthochdruck

Die vom Robert Koch Institut erhobene KIGGS- Studie geht von fünf Prozent Betroffenen bei den Heranwachsenden aus. Eine andere Studie errechnete vor vier Jahren 649 000 Kinder und Jugendliche mit arterieller Hypertonie. „Diese neuen Referenzwerte für Deutschland deuten darauf hin, dass das die Häufigkeit der Diagnose für diese Altersgruppe bisher unterschätzt wurde“, sagte Renate Oberhoffer, ordentliche Professorin und Studiendekanin am Lehrstuhl für Präventive Pädiatrie der Technischen Universität München, im Vorfeld des Welt Hypertonietages bei einem Pressegespräch in Berlin. Über ein Viertel der übergewichtigen und fettleibigen Kinder müssen zudem damit rechnen, an Bluthochdruck zu erkranken. Das entspricht mehr als einer halben Million.

Medikamentös behandelte ADHS-Kinder sind besonders gefährdet

Bei einem diagnostisch gesicherten Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom (ADHS) darf bei Kindern über sechs Jahre der Wirkstoff Methylphenidat verordnet werden. Das betäubungsmittelpflichtige Amphetamin ist in Deutschland als Ritalin, Metikinet oder Motiron zugelassen. Jahrelang stieg die Zahl der Verordnungen rapide. Seit 2012 sinkt der Verbrauch wieder. Dennoch wird das Medikament bei Elf- bis 14-Jährigen häufiger verordnet als Erkältungsmittel. Die Europäische Arzneimittelzulassungsbehörde hat nach Auswertung von Daten aus klinischen Studien vor zweieinhalb Jahren ihre Fachinformation geändert und darauf hingewiesen, dass sich bei einem bis zehn Prozent der behandelten Kinder und Jugendlichen ein Bluthochdruck entwickeln kann. Auch Herzrhythmusstörungen sind ein bekanntes Risiko. Somit gilt Hypertonie als häufige Nebenwirkung. Vor einer Verschreibung müssen zwingend Blutdruck und Puls beurteilt sowie eine gründliche Krankengeschichte erhoben werden. Bei jeder Dosisanpassung und mindestens alle sechs Monate sollen Blutdruck und Puls in einer grafischen Darstellung dokumentiert werden.

Ebenfalls wenig bekannt ist, dass die Pille unter anderem Bluthochdruck verursachen kann. „So gut wie gar nicht bekannt ist, dass Frühgeborene mit einem niedrigen Geburtsgewicht später eine Hypertonie entwickeln können“, betont Professorin Renate Oberhoffer.

Werte sind nicht mit denen von Erwachsenen zu vergleichen

Der Blutdruck wird bei Kindern nicht nur anders als bei Erwachsenen gemessen, zum Beispiel mit größenspezifischen Manschetten, es gelten auch andere Grenzwerte. Für diese gibt es keine Pauschalregel. Kinderärzte beurteilen den Entwicklungsgrad der kleinen Patienten entsprechend so genannter Perzentile. Das heißt, sie vergleichen Körpermaße und Werte mit Durchschnittswerten der Altersgruppe. Die Berechnung des Blutdrucks bei Kindern und Jugendlichen kann mittlerweile sogar über eine kostenlose App erfolgen.

Bewegung ist das A und O

Wie bei Erwachsenen gilt für Kinder und Jugendliche: viel Bewegung ist ein Muss. Obwohl die Weltgesundheitsorganisation mindestens eine Stunde Sport pro Tag empfiehlt, ist Fakt, dass sich 80 Prozent des Nachwuchses nicht ausreichend bewegt. Radfahren, Laufen und Ballsportarten werden besonders empfohlen. 90 Minuten bis zwei Stunden tägliche sportliche Aktivität wären noch gesünder. Ideal, wenn die Eltern Vorbild sind und wenig Fernsehen, sich gesund ernähren und nicht rauchen. #Gesundheit #Lebensmittel