Nein, es geht bei 30-50-80 nicht um neue Model-Maße. Deutsche Internisten sind besorgt, weil ihre jahrelangen Vorbeugungsmühen bisher nicht die erhoffte Wirkung zeigten. Fast jeder Dritte Bundesbürger hat Bluthochdruck. Im achten Lebensjahrzehnt sind sogar drei von vier Menschen betroffen. Nach Angaben der Deutschen Hochdruckliga wissen nur vier von fünf Patienten von ihrer Erkrankung. Das Robert-Koch-Institut geht davon aus, dass die Hälfte der Hochdruckpatienten nichts von ihrer Krankheit weiß oder ungenügend eingestellt ist. Das ist wenig verwunderlich, denn Bluthochdruck beginnt schleichend. Auffällige Beschwerden treten meist erst im fortgeschrittenen Stadium auf. Von den Menschen, die von ihren erhöhten Werten wissen, lassen sich nur 88 Prozent behandeln. Die Kampagne "30-50-80" soll nun das Bewusstsein aller schärfen.

Was die Formel 30-50-80 bedeutet

"Jeder über 30 Jahre sollte seinen eigenen Blutdruck kennen", erklärt Professor Martin Hausberg. Er ist Vorstandsvorsitzender der Deutschen Hochdruckliga (DHL) und leitet die Medizinischen Klinik I für Allgemeine Innere Medizin, Nephrologie, Rheumatologie und Pneumologie des Städtischen Klinikums Karlsruhe. "Wer Bluthochdruck hat, sollte mit 50 Jahren richtig eingestellt sein. Mit 80 Jahren kommt es darauf an, Behinderungen durch Folgekrankheiten wie Schlaganfall oder Herzinfarkt zu vermeiden."

Wo ein erhöhter Blutdruck anfängt

Werte zwischen 140 und 159 mmHg systolisch (erster Wert) sowie zwischen 90 und 99 diastolisch (zweiter Wert) werden nach dem Stand der Wissenschaft heute bereits einer milden Hypertonie zugerechnet. "Wie gefährlich diese Werte sind, ist umstritten", sagt Hausberg. "Die DHL und führende medizinische Gesellschaften propagieren jedoch schon immer, dass auch diese Werte behandlungsbedürftig sind." Die gefürchtetsten Komplikationen des Bluthochdrucks sind Schlaganfälle, Herzinfarkte und Beinarterienverschlüsse infolge Arterienverkalkung.

Nach Diagnose Bluthochdruck reagieren, nicht warten

Eine im Februar dieses Jahres erschienene, britische Studie mit fast 90 000 Patienten beobachtete Verläufe über zehn Jahre. Die Verfasser empfehlen im Ergebnis aller ausgewerteten Daten, innerhalb von sechs Wochen auf die Diagnose Bluthochdruck zu reagieren, die Patienten unbedingt öfter als einmal im Quartal zu bestellen und spätestens nach drei Monaten den Behandlungserfolg zu kontrollieren. In der Einstellungsphase sollten die Patienten mindestens früh und abends, besser dreimal täglich ihren Blutdruck messen und dokumentieren. Zudem sollte anfangs einmal monatlich eine 24-Stunden-Blutdruckmessung stattfinden. Eine ausführliche ärztliche Beratung sollte der Diagnosestellung folgen. Wurde tatenlos gewartet, traten mehr Herz-Kreislauf-Zwischenfälle auf oder die Betroffenen starben.

Bluthochdruck = Medikamente?

Nicht unbedingt. Nach Diagnosestellung steht zunächst die nichtmedikamentöse Therapie im Vordergrund. Mehr bewegen, gesünder ernähren, Gewicht abnehmen, auf Nikotin und Alkohol verzichten und Stress reduzieren. "Eine milde Hypertonie kann bei ansonsten gesunden Patienten nur durch eine Änderung des Lebensstils verschwinden", betont Hausberg. Bleiben die Werte trotzdem erhöht, empfehlen die Leitlinien, mit einer medikamentösen Therapie zu beginnen. #Gesundheit