Dr. med. Marianne Koch (83) ist Internistin, Autorin und Moderatorin. Seit den 1950er Jahren wirkte sie als Schauspielerin in 70 Filmen in Hollywood, Frankreich und Deutschland mit. Bis 1997 war sie als Fachärztin für Innere Medizin in eigener Praxis tätig. 2002 wurde sie mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. 

Warum halten Sie die Gleichgültigkeit vieler Hypertoniker für problematisch? #Gesundheit

Ich nenne den Bluthochdruck einen "stillen Killer". Man merkt anfangs nichts und hält sich nicht für krank. Deshalb lehnt man auch eine Therapie ab. Für Ärzte ist es schwierig, auf Patienten einzuwirken, bis sich eine Überzeugung herausgebildet hat. Die "sprechende Medizin" braucht Zeit. Ärzte müssen beim Wissensstand oft am Punkt Null anfangen. Vor allem Männer hören es ungern: Ein hoher Blutdruck schädigt nicht nur Herz, Nieren und Augen - er führt auch zu Erektionsstörungen und mindert die Lebensqualität.

Welche natürlichen Behandlungsmöglichkeiten favorisieren Sie?

Optimal ist DASH. Diese Ernährungsform steht für "Dietary Approach to Stop Hypertension". Sie wurde in einer Studie erforscht. Die Ergebnisse sind seit 1996 bekannt. Es wurde nachgewiesen, dass eine Kost mit wenig Salz, dafür viel Obst und Gemüse, kaltgepressten Ölen und fettarmen Milchprodukten die Blutdruckwerte deutlich senken kann. Vergleichbar ist die Ernährung mit der Mittelmeerküche. Außerdem ist Bewegung, auch für alte Menschen, unabdingbar.

Würden Sie deshalb Burger-Werbung verbieten?

Nein. Wir haben es mit mündigen Bürgern zu tun, das kann man ihnen nicht vorschreiben. Außerdem schmeckt ein Burger ja auch mal ganz gut (lacht). Wenn es uns gelingt, alle Menschen aufzuklären und zu motivieren, gesunder zu leben, würde uns das helfen, von diesen irren Zahlen herunterzukommen. Ich bin deshalb unbedingt dafür, das Gesundheitswesen dahingehend zu stärken, dass die Ärzte mehr Zeit haben, mit den Patienten zu sprechen und das auch vergütet bekommen.

Foto: Dagmar Möbius DSC_6575.jpg