Er ist Arzt, Wissenschaftsjournalist, Moderator, Komiker und Autor. Seine Stiftung heißt „Humor hilft heilen“. Dass Lachen Medizin ist, wurde und wird an mehreren deutschen Hochschulen wissenschaftlich untermauert. Die Daten stammen aus Humor-Workshops und Einsätzen von Klinikclowns. Für eine Pilotstudie im Stuttgarter Robert-Bosch-Krankenhaus werden im Laufe des Jahres 2015 Ergebnisse erwartet. Hier erhalten Herzpatienten ein strukturiertes Humortraining.

#Gesundheit folgt der Bildung

„Ich glaube an eine Bewusstseinsveränderung durch Lachen“, sagte Dr. med. Eckart von Hirschhausen beim Diabetes Kongress in Berlin. Aber: „Zwei Drittel der Deutschen können mit Gesundheitsinformationen nichts anfangen.“ Das ergab eine Studie der AOK. Woran liegt das? Möglicherweise an der Art der Vermittlung. „Sind die Vertreter der Heilberufe in der Lage, Begeisterung zu wecken und empathisch auf die Patienten einzugehen?“ fragt der medizinische Humorbotschafter. Ihm fehlen unabhängige Internetplattformen für Gesundheitsinformationen, im Idealfall mit Bewegtbild. Denn: „Gesundheit folgt der Bildung.“

Alles Theater?

Richtig aufregen kann sich der Mediziner darüber, dass es so wenige Langzeitinterventionsstudien gibt. Gute Beispiele für Prävention müsse man suchen. „Im System spielen alle Theater“, behauptet er und nennt ein Beispiel: „Patienten erhielten eine Informationsbroschüre mit einer integrierten Photozelle. Das wussten sie natürlich nicht. Es kam heraus: die meisten schauten, wenn überhaupt, einmal kurz vor dem nächsten Arztbesuch in das Heft. Sollten beispielsweise Blutzuckerwerte aufgeschrieben werden, fanden sich Phantasiezahlen.“ So bessert sich natürlich kein Gesundheitszustand nachhaltig.

Ein Rottweiler von ratiopharm?

Der aus der Depressionsforschung bekannte Rat: „Kauf dir’n Hund“ gelte beispielsweise auch bei Diabetes. Er bringt Struktur und den Alltag und sorgt für Bewegung. „Ich frage mich, wann der Rottweiler von ratiopharm kommt“, so von Hirschhausen. „Es wäre für die Krankenkassen billiger, ein Jahr einen Hund zu bezahlen als die Folgekosten vieler Zivilisationskrankheiten. Menschen brauchen positive Ziele.“ Dabei wünscht er sich, auf die Sprache zu achten. „Nichtraucher klingt, als hätte man es nicht zum Raucher geschafft. Die Verneinung führt zu einem Gefühl persönlichen Versagens.“

Drei gute Beispiele

Eckart von Hirschhausen versucht selbst, gesundheitsbewusst zu leben. Er hat sich angewöhnt, Interviews m Gehen zu führen. Sein Laufband ist mit einem Minischreibtisch ausgestattet. So kann er beim #Sport Videos schauen. Um sein Essen zu genießen, hält er eine Art Tischgebet. „Ich bin nicht religiös, aber ich finde, man kann dafür danken, dass man genug zu essen hat.“ Zudem empfiehlt er Tanzen als freudvolle Prävention. Seiner Erfahrung nach funktionieren starre Regeln nicht. Sein Ziel, fünf Prozent Gewicht abzunehmen, hat er nach eigener Aussage im letzten Jahr geschafft. Auch Süßes darf sein. „Aber erst nach kurzer Pause.“

Foto: ©Dagmar Möbius #Depression