Als Faustregel gilt: Bluthochdruck tritt prozentual ungefähr so häufig auf wie das jeweilige Lebensalter. Das heißt: die Hälfte der 50-Jährigen, 60 Prozent der 60-Jährigen, 70 Prozent der 70-Jährigen usw. sind betroffen.

Blutdruck runter auch bei Älteren

Erst seit Mitte der 1990er Jahre hat sich in der Medizin die Auffassung etabliert, dass über 60-Jährige von einer Blutdrucksenkung profitieren. „Früher wurde hoher Blutdruck bei Älteren nicht behandelt“, sagt Professor Burkhard Weisser, Direktor des Instituts für Sportwissenschaft der Universität Kiel. „Aber niemand hat so viele Schlaganfälle und Herzinfarkte wie die 70- bis 80-Jährigen“, verdeutlicht er. Deshalb fordert er: „Wir müssen an die Älteren ran und den Blutdruck senken. “ Nationale und internationale Leitlinien legen auch für ältere Menschen über 60 Jahre als Therapieziel 140 mmHg für den systolischen Wert fest.

Behutsame Senkung angeraten

Die Senkung sollte behutsam und wenn möglich zunächst ohne Medikamente erfolgen. Bei Senioren tritt bei der Behandlung mit blutdrucksenkenden Medikamenten gelegentlich Schwindel bei Lagewechseln auf. Der Blutdruck soll daher regelmäßig im Sitzen und im Stehen kontrolliert werden. Studien ergaben, dass bei Patienten über 80 Jahre nach einer Blutdrucksenkung weniger Schlaganfälle und Herzinfarkte auftraten. Internisten plädieren daher für eine Behandlung auch in diesem Alter. Ob die Patienten mitarbeiten, hängt auch vom Vertrauensverhältnis zum Arzt ab. So ist beispielsweise nachgewiesen, dass ein dreiminütiges Gespräch fünf Prozent der Raucher animiert, sich innerhalb eines Jahres von ihrem riskanten Laster zu befreien. Spontan gelingt das nur einem Prozent. Auch wenn der Blutdruck schon gesenkt werden konnte, muss die Therapie fortgeführt werden. Medikamente müssen also weiter eingenommen werden.

Fit for 100 – nicht zu alt für Bewegung

Sport ist für reifere Menschen keineswegs tabu. Im ursprünglich in Bonn entwickelten und jetzt von der Sporthochschule Köln fortgeführten Programm „fit for 100“ bewegen sich sogar über 90-Jährige. Auch bei Demenz sind die Übungen praktikabel. „Die Trainierbarkeit bleibt bis zum Tod erhalten“, betont Burkhard Weisser. So kann beispielsweise die Maximalkraft deutlich gesteigert werden. Das ist wichtig, weil nachlassende Kraft im Alter vieles erschwert oder gar verhindert. Momentan gibt es Gruppen in über 50 Städten und Gemeinden bundesweit. Zweimal wöchentlich trainieren die Senioren ihre Beweglichkeit. Teilweise erhalten die Teilnehmer verloren gegangene Alltagsfähigkeiten wie Treppensteigen oder Tasche tragen zurück.

Foto: ©Dagmar Möbius

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