Marlene Mortler, Drogenbeauftragte der Regierung, hat am 21. Mai den Drogen- und Suchtbericht 2015 der Bundesregierung vorgestellt. Der Suchtbericht bildet die strategische Grundlage für die Bundesregierung zur Vorgehensweise in ihrer Sucht- und Drogenpolitik der folgenden Jahre. Unterstützt wird Drogenbeauftragte Mortler von dem Drogen- und Suchtrat, welcher zweimal im Jahr tagt. An der Zusammensetzung des Rates wird immer wieder heftige Kritik geübt, aufgrund fehlender Vertreter verschiedenster Interessen- und Expertengruppen im Drogen- und Suchtbereich. Betrachtet werden beim Bericht der Umgang und die Entwicklung des Konsums von Alkohol, Tabak, Cannabis, harten Drogen und Glücksspielautomaten sowie weiteren Suchtpotentialen.

Das „größte vermeidbare Gesundheitsrisiko“ – Tabakkonsum

Die Zahl der Tabakkonsumenten nimmt immer weiter ab, besonders bei jungen Menschen. Seit 1999 bis 2015 ist der Anteil der Raucher in Deutschland von 28% auf 24,5%, also um 3,5% gesunken. Deutlich verbessert hat sich laut Bericht die Situation im Bereich der 12- bis 17-Jährigen, bei denen seit 2001 ein Rückgang von 28% auf 9,7% zu verzeichnen ist. Der Zigaretten-Ersatz, die E-Zigarette, hat sich laut Bericht noch nicht durchgesetzt. Nur 0,4% der Bevölkerung nutzen den elektronischen Ersatz. Drogenbeauftragte Marlene Mortler sieht den Gesamtrückgang des Tabakkonsums

als Erfolg der Kampagnen durch die Bundesregierung. Bezogen auf den Rückgang des Tabakkonsums bei Jugendlichen sagte sie „Unsere vielfältigen Präventionsmaßnahmen wirken. Rauchen ist out“. Schätzungen zufolge liegt die Zahl der Toten, aufgrund von Tabakkonsum, bei jährlich 110.000.

Alkoholkonsum – Das gesellschaftliche Kernproblem

9,6 Liter reinen Alkohol trinkt der Durchschnittsdeutsche, laut Bericht, im Jahr. 1,77 Millionen Menschen im Alter zwischen 18- und 64 Jahren werden als alkoholabhängig bezeichnet. Diese Zahl deckt sich mit denen der Vorjahre. Der regelmäßige Alkoholkonsum ist allerdings in allen Altersgruppen zurückgegangen. 9,5 Millionen Deutsche konsumieren Alkohol in gesundheitlich riskanten Ausmaß. Psychische Störungen durch Alkoholkonsum und akuter Alkoholmissbrauch führten zu fast 340.000 registrierten Klinikaufenthalten im Jahr 2013. Durch den direkten Konsum oder die Folgen des Konsums von Alkohol sterben schätzungsweise 74.000 Menschen im Jahr.

Cannabis wird verharmlost

Laut Bericht sollen „rund 600.000 Tausend vorwiegend junge Menschen Probleme mit dem Konsum von Cannabis haben“. Drogenberatungsstellen verzeichnen einen Anteil von 38,7% ihrer Klienten, die über Probleme mit ihrem Marihuanakonsum klagen. Mortler warnt vor einer zunehmenden Verharmlosung von Cannabis. „Aus Expertensicht reicht dafür schon ein Gramm pro Tag“, um massive Gesundheitsschäden zu verursachen. Sie spricht sich für eine Ausweitung der Cannabis-Legalisierung für Kranke, und gegen eine allgemeine Legalisierung aus.

„Harte“ Drogen

Schätzungsweise konsumieren jährlich über 200.000 Menschen in Deutschland illegale Drogen, Cannabis ausgenommen. Einen deutlichen Zuwachs gibt es bei der Sicherstellung von Chrystal Meth, etwas doppelt so viele Fälle wie im Vorjahr, laut Polizei im vergangenen Jahr 3512 Sicherstellungen. Die Zahl der Erstkonsumenten von Heroin, Kokain und Meth-/Amphetaminen sind im Vergleich zum Vorjahr gesunken, die Zahl der Ecstasy-Erstkonsumenten stieg dagegen deutlich an.

Kritik am Drogen- und Suchtbericht 2015 der Bundesregierung

600.000 Menschen mit Problemen, bezüglich ihres Cannabiskonsums. Diese Zahl ist geschätzt und laut Kritikern als unseriös zu betrachten. Die steigende Anzahl von Cannabisberatungen kann auch auf neue juristische Maßnahmen zurückgeführt werden. Sogenannte „Legal Highs“, also legale Rauschmittel, die aus Kräutermischungen bestehen und deren Wirkungen oft falsch eingeschätzt werden, sind in den Statistiken zum Marihuana gezählt. Damit werden die Zahlen zusätzlich verfälscht und dramatisiert. Hinter vorgehaltener Hand wird die Drogenbeauftragte Marlene Mortler auch als Lobbyistin der Cannabis-Szene bezeichnet. Man unterstellt ihr krampfhaft die Legalisierung von Marihuana zu verhindern, aber dabei so wenig konstruktive Argumente zu haben, dass es wirkt als ob sie sich selbst in den Diskussion diffamieren möchte. Interessant ist auch, dass mittlerweile von Kritikern der zweite Alternative Drogen- und Suchtbericht herausgegeben wurde, wenige Tage vor Veröffentlichung des offiziellen Berichts. In dem alternativen Bericht äußern sich Experten verschiedener Interessengruppen über die behandelten Drogenthemen. Sie repräsentieren eine relativierende Sichtweise und involvieren, vom offiziellen Suchtrat unbeachtete, Situationen und Studien, um eine andere Sichtweise zu bieten.

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