Hochrechnungen gehen von 3,4 Millionen 18- bis 64-jährigen Deutschen aus, die die Kriterien für Alkoholmissbrauch oder Alkoholabhängigkeit erfüllen. Fast 400 000 Menschen, so die Ausgabe 2/2015 des GBE kompakt des Robert Koch Instituts, mussten 2013 stationär nur wegen alkoholbedingter Erkrankungen im Krankenhaus behandelt werden. Geschätzte 74 000 Menschen sterben in Deutschland jährlich infolge Alkoholkonsums, weltweit 3,8 Millionen Menschen. "Das sind mehr als durch Aids, Tuberkulose und Gewalt zusammen", sagt Professor Jürgen Rehm, Direktor der Abteilung Sozialforschung und Epidemiologie des Zentrums für Sucht und psychische #Gesundheit in Toronto sowie Leiter des Forschungsschwerpunktes Epidemiologie des Instituts für Klinische Psychologie und Psychotherapie der Technischen Universität Dresden.

Deutsche Jugendliche trinken weniger Alkohol, aber …

Über die Hälfte der Elf- bis 17-Jährigen haben Erfahrungen mit Alkohol. Bei den Elfjährigen hat jeder Zwölfte schon Alkohol getrunken, bei den 13-Jährigen schon mehr als jeder Dritte und bei den 14-Jährigen jeder Zweite. Studien zufolge waren beim ersten Glas Alkohol Jungen 13,6 Jahre alt, Mädchen 14 Jahre. 18 Prozent der 12- bis 17-jahrigen Jungen trank innerhalb des letzten Jahres mindestens einmal pro Woche Alkohol. Bei Mädchen lag diese Quote bei neun Prozent.
Wissenschaftler registrieren zwar seit zehn Jahren einen Rückgang der Alkoholkonsumraten bei Jugendlichen. Allerdings trinken mehr deutsche Teenager Alkohol als Jugendliche anderer Länder. So konsumieren 15 Prozent der 15-jährigen Mädchen und 28 Prozent der 15-jährigen Jungen einmal wöchentlich Alkohol. 27 Prozent der 15-jährigen deutschen Mädchen und 35 Prozent der 15-jährigen deutschen Jungen waren schon mehr als zweimal betrunken. Während Jungen Bier und Spirituosen bevorzugen, greifen Mädchen eher zu Wein und Sekt.

Welche gesundheitlichen Risiken birgt der Alkohol?

Alkohol ist ein sich schnell im Körper verteilendes Zellgift, warnt die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Zwar wissen immer mehr Menschen, wie schädlich Alkohol wirkt. Doch ab wann der Konsum riskant ist, darüber sind selbst Experten noch nicht einer Meinung. In den europäischen Ländern gelten unterschiedliche Grenzwerte. Deutschland empfiehlt: gesunde Frauen dürfen zehn bis zwölf Gramm Alkohol (= 0,25 bis 0,3 Liter Bier oder ein kleines Glas Wein) täglich trinken, Männer 20 bis 24 Gramm - bei zwei konsumfreien Tagen in der Woche. Die Italiener billigen Männern pro Tag 24 bis 36 Gramm Reinalkohol, Frauen bis 24 Gramm zu. In Spanien unterscheiden sich die Empfehlungen sogar regional und reichen von 30 bis 70 Gramm täglich.

Noch keine Grenzwerte für Jugendliche

Das Forschungsprojekt RARHA (Reducing Alcohol Related Harm in Europe) stimmt seit 2014 mit allen EU-Mitgliedsländern ab, welche Grenzwerte künftig gelten sollen. Aber: für Jugendliche sind noch keine Grenzwerte festgelegt. Deshalb empfehlen Wissenschaftler der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen den weitgehenden Verzicht auf die Volksdroge. Mediziner warnen aufgrund von Studienergebnissen: "Bei beiden Geschlechtern zeichnet sich im Altersgang eine deutliche Zunahme des riskanten Alkoholkonsums ab." Konkret: Knapp 16 Prozent der 11- bis 17-jährigen Jugendlichen trinken gesundheitsgefährdende Mengen - und das, obwohl die Daten auf den bei Erwachsenen verwendeten Grenzwerten erhoben wurden.

Wie verbreitet ist Rauschtrinken?

Wer wesentlich mehr trinkt als er verträgt, betreibt episodisch exzessiven Alkoholkonsum, auch Rauschtrinken oder binge drinking genannt. Das sind bei Jugendlichen mindestens einmal monatlich fünf oder sechs und mehr alkoholische Getränke. 11,5 Prozent der Elf- bis 17-Jährigen praktiziert Rauschtrinken. Tendenz mit zunehmendem Alter steigend. In der ESPAD-Studie wurde erhoben, dass mehr als jeder vierte Junge und rund jedes sechste Mädchen in den letzten 30 Tagen mindestens ein Trunkenheitserlebnis hatte. Viele der praktizierenden jugendlichen Rauschtrinker hielten sich nicht für betrunken. Nachdem die Zahl der wegen einer Alkoholvergiftung ins Krankenhaus eingewiesenen Zehn- bis 19-Jährigen in den letzten Jahren stetig stieg, ging sie 2013 wieder leicht zurück, lag aber immer noch bei 23 000 Kindern und Jugendlichen bundesweit, und damit doppelt so hoch wie zu Beginn der 2000er Jahre.

Bild: Flickr CC-BY 2.0 Adrian Scottow