In ihrer im Mai im Fachmagazin der amerikanischen Akademie der Wissenschaften (PNAS) veröffentlichten Arbeit gehen die Wissenschaftler von einem möglichen Paradigmenwechsel in der Bevölkerung hinsichtlich der grünen Gentechnik aus.

Laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstitut Forsa im Auftrag der Verbraucherzentralen lehnen 70 Prozent der deutschen Bevölkerung Gentechnik in Lebensmitteln ab. Trotzdem sind im vergangenen Jahr die Anbauflächen gentechnisch veränderter Pflanzen weltweit um drei Prozent auf 181 Millionen Hektar gestiegen. Auf Europa entfällt hiervon jedoch mit 0,1 Millionen Hektar nur ein Bruchteil. In Deutschland werden aktuell keine gentechnisch veränderten Pflanzen angebaut.

In der Gentechnik machen sich Forscher neben anderen Methoden die Fähigkeiten des Bakteriums Agrobacterium tumefaciens zunutze. Dieses Bakterium infiziert in der Natur bestimmte Pflanzen und baut einen Teil seiner DNA in das pflanzliche Genom ein. Hierdurch löst es die Produktion bestimmter Nährstoffe durch die Pflanze aus, die dem Bakterium als Nahrung dienen. Forscher nutzen das Bakterium, um gewünschte Fremdgene in Pflanzen einzuschleusen.

Die neu erworbene Erbinformation gibt die Pflanze in der Natur normalerweise nicht an die nächste Generation weiter. Forscher um Tina Kyndt von der Universität Ghent in Belgien konnten in kultivierten Süßkartoffeln Erbmaterial von Agrobakterien nachweisen. Die Bakterien-DNA ist auf natürlichem Wege in die Pflanze gelangt und wurde von Generation zu Generation weitergegeben. Die Forscher vermuten positive Nebeneffekte durch die Bakteriengene beim Anbau der Süßkartoffel, so dass sich die genetisch veränderten Pflanzen in der Zucht durchsetzen konnten.

Die genmanipulierte Süßkartoffel ist somit seit Jahrtausenden Bestandteil der menschlichen Ernährung. Da die Genmanipulation auf natürlichem Wege entstanden ist, ist eine Kennzeichnung als gentechnisch veränderter Organismus nicht erforderlich. Außerdem gehen die Forscher durch diese Ergebnisse von einem möglichen Umdenken in der Bevölkerung aus, das zu einer größeren Akzeptanz gentechnischer Verfahren führen könnte. #Gesundheit #Lebensmittel