Keine Strauchbeere wurde in Deutschland im Vorjahr so viel geerntet wie die Kulturheidelbeere: 12100 Tonnen. Das war etwa 18 Prozent mehr als 2013, im internationalen Vergleich aber wenig. Bundesweit werden auf 2100 Hektar Fläche Heidelbeeren angebaut. 75 Prozent der Sommerfrüchte wachsen in Niedersachsen, gefolgt von Baden-Württemberg und Bayern. Das Land Brandenburg folgt mit 117 Hektar auf dem vierten Platz. Erstmals hier, auf dem Spargel- und Erlebnishof Klaistow, eröffnete die Deutsche Heidelbeerprinzessin Landora Meyer heute die gesamtdeutsche Heidelbeersaison.

Mimosen brauchen gute Pflege

Statistiker haben ausgerechnet, dass Amerikaner 1,2 Kilogramm Heidelbeeren pro Kopf und Jahr verzehren. Europäer liegen bei 60 Gramm pro Kopf. Für Deutsche schwanken die Zahlen zwischen 30 und 100 Gramm. „Es gibt noch Luft nach oben“, sagt Dr. Udo Funch vom Bund Deutscher Heidelbeeranbauer. Um 1900 begannen amerikanische Züchter in Michigan, die Früchte zu kultivieren. Exemplare in der Größe wie auf dem Foto sind das Ergebnis über einhundertjähriger Selektionszüchtung und mit den im Wald wachsenden Blaubeeren nicht vergleichbar. Kulturheidelbeeren sind Mimosen. „Sie nehmen vieles übel“, beschreibt Funch. Sie benötigen einen speziellen Boden: sandig, luftdurchlässig, sauer und im Idealfall mit Humus angereichert. Außerdem müssen sie in trockenen Wochen über Tropfschläuche beregnet werden. Frost vertragen sie auch nicht. Aber: „Heidelbeeren sind Optimisten.“

Gesünder als andere Früchte

Kulturheidelbeeren enthalten viel Calcium, Magnesium und Eisen sowie Vitamin A, B1 und B2. Theo de Kok und Simone van Breda von der Universität Maastricht haben sich mit den bioaktiven Stoffen in der Heidelbeere wissenschaftlich beschäftigt. In Nahrungsinterventionsstudien wiesen die Biologen nach, dass die in den Früchten enthaltenen sekundären Pflanzenwirkstoffe entzündungshemmend wirken, Herz-Gefäßerkrankungen verhindern, vor DNA-Schäden schützen und damit das Krebsrisiko reduzieren können. Zudem wirken sie sich positiv auf den Fettstoffwechsel aus. Gartenbauwissenschaftler Fritz-Gerald Schröder aus Dresden bestätigt die positiven Nachrichten. Der Professor für Gemüsebau und Gewächshausmanagement an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden spricht von einem Anti-Aging-Effekt der Heidelbeere und sagt: „Wir Forscher stürzen uns auf die 30 000 bekannten der über 100 000 Phytochemikalien.“

Bonbons der Natur

50 Prozent aller Krankheiten entstehen infolge Übergewichts. „Das heißt, von 300 Milliarden Euro für deren Behandlung entfallen 150 Milliarden auf vermeidbare Folgeerkrankungen ungesunder Ernährung. Der Entertainment-taugliche Professor Schröder plädiert für motivierende Fernsehwerbung. Bezahlt aus dem Etat der Krankenkassen. „Die Regel fünf Portionen Obst und Gemüse täglich halte ich für falsch“, sagt er. „Sechsmal ist besser.“ Vernünftiges Marketing dürfe aber nicht mit erhobenem Zeigefinger daher kommen. Heidelbeeren sind für ihn schmackhafte und kalorienarme Bonbons der Natur. Vom gut gemeinten Schulapfelprogramm will er nichts mehr hören. Aus einem einfachen Grund: „Teilnehmer müssen sich als arm outen. Armut tut weh.“

Selbstpflücken bis September

18 Brandenburger Betriebe ernteten im Vorjahr 816 Tonnen Kulturheidelbeeren, 344 Tonnen mehr als im Jahr 2013. Zwar werden die Beeren in diesem Jahr aufgrund der Wasserknappheit möglicherweise kleiner sein als in vergangenen Jahren, doch die Qualität sei stabil. Die Nachfrage nach den gesunden Früchten steigt. Nicht nur der Lebensmitteleinzelhandel ordert größere Mengen, auch die Selbstpflücker-Plantagen erfreuen sich zunehmender Beliebtheit. Nicht nur in Klaistow, dort auf jeden Fall bis September.

Foto: ©Dagmar Möbius #Gesundheit