Viele kennen es schon aus ihrer Kindheit: Sobald eine Erkältung im Anmarsch ist, der Magen rebelliert oder sonstiges Ungemach droht, brüht die Mutter einen frischen Kamillentee auf, der die Beschwerden lindern soll. Diese Praxis geht in unseren Breitengraden noch bis auf die alten Germanen zurück.

Und in der Tat wird dem Kraut mit den weißen Blättern und der gelben Blüte heute eine entzündungshemmende, antimikrobielle und krampflösende Wirkung von der Medizin bescheinigt.

Vorsicht bei Billig-Tees aus dem Supermarkt 

Praktisch, dass man die kleingeraspelten, getrockneten Kamillenblüten heute für nur wenige Cent im Supermarkt als Teebeutel-Produkt kaufen kann. Doch Vorsicht ist angesagt: Auch bei Kamillentees gibt es unterschiedliche Qualitätsstufen und die meisten Kamillen, die für günstige Tees verarbeitet werden, stammen aus Argentinien, Ägypten oder Bulgarien - Länder, in denen das deutsche Herbizid-Verbot für Kamillentees nicht unbedingt eingehalten wird.

Kamillenblüten sammeln - aber nicht vom Acker! 

Warum nicht also einfach selber Kamillentee herstellen? Heutzutage ist die Kamille in ganz Deutschland bis zu einer Höhe von 1300 Meter über dem Meeresspiegel verbreitet. Sie mag trockene, lehmige Böden und ist daher oftmals auf Äckern anzutreffen. Doch auch hier ist Vorsicht geboten: Zum einen wird auch auf Äckern regelmäßig gespritzt, sodass Kamillen in unmittelbarer Nähe zur Landwirtschaft nicht zum Verzehr geeignet sind. Dies gilt umso mehr, als man die Blüten vor dem Trocknen nicht waschen kann. Ansonsten würde Schimmel und vor allem Aromaverlust drohen.

Echte Kamillen-Pflanzen erkennen 

Hat man dann an einem Waldrand oder an einer Böschung (Tollwutgefahr beachten!) eine taugliche Pflanze gefunden, muss zunächst eine Abgrenzung zur eher stinkenden, aber ungiftigen Hundskamille erfolgen. Wenn der kegelförmige Boden der Kamillenblüte hohl ist und beim Zerreiben des selbigen ein angenehmes Kamillenaroma zu riechen ist, hat man eine Pflanze der Gattung "Echte Kamille" erwischt und kann mit dem Ernten beginnen. Dabei werden lediglich die Blüten, eventuell noch mit einem kurzen Stilfortsatz benötigt. Die ideale Erntesaison erstreckt sich von Mai bis August.

Nicht nur bei selbstgemachten Tees: Immer sprudelnd kochend übergießen!

Sind die Blüten geerntet, werden sie auf einem Küchenpapier ausgebreitet und einige Stunden in die Sonne gelegt. Danach können die Blüten in einer Kanne oder einem Tee-Ei mit kochendem Wasser wie gewohnt aufgebrüht werden. Wichtig ist aus Hygienegründen, dass das Wasser noch beim Übergießen sprudelnd kocht, um Keime und Bakterien abzutöten.

Ähnlich guten Kamillentee gibt es nur in der Apotheke

Wem das alles zu viel Aufwand ist, der kann einen wirklich guten Kamillentee auch in der Apotheke kaufen: Dabei sollte jedoch auf "Arzneibuchqualität" geachtet werden. Nur dann enthält der Tee auch wirklich genug ätherische Öle, um eine medizinische Wirkung zu entfalten. Wer Kamillentee so gar nicht mag, dem sei als Alternative Schafgarbe empfohlen. Das Kraut hat eine vergleichbare Wirkung, aber einen anderen Geschmack. Auch hier hilft im Zweifel die Apotheke weiter. #Hobby #Gesundheit #Lebensmittel