Etwa anderthalb Kilogramm wiegt eine durchschnittliche menschliche Leber. Kein Organ ist größer und schwerer. Ohne Leber würden wir sterben. Sie reguliert den Stoffwechsel, verarbeitet Eiweiße, Zucker und Fett. Sie filtert Giftstoffe aus der Nahrung und sie kann sich selbst regenerieren. Ist das Multitalent gesund, spüren wir es nicht. Auch der Arzt kann eine Leber erst tasten, wenn sie angeschwollen, also krank, ist.

Stummes Leiden

Viele Menschen merken nichts von ihrer Lebererkrankung. Eindeutige Beschwerden gibt es nicht. Mediziner sprechen deshalb von einem „stummen Leiden“ oder gar einem „stillen Killer“. Experten der Deutschen Leberstiftung schätzen fünf Millionen Erkrankte in Deutschland. Personen mit Leberentzündung klagen häufig über Erschöpfung und Abgeschlagenheit. Manche haben Oberbauchschmerzen, andere Gelenkbeschwerden. Eine so genannte „Gelbsucht“ ist – mit Ausnahme der meist harmlosen Neugeborenengelbsucht - ein Symptom einer akuten Hepatitis oder einer fortgeschrittenen Leberzirrhose.

Alkohol ist die Hauptursache

Die häufigste Ursache chronischer Leberkrankheiten ist übermäßiger Alkoholkonsum. Die Deutsche Hauptstelle gegen die Suchtgefahren schätzte in Stichprobenerhebungen zwei bis drei Millionen Erwachsene mit alkoholbedingter Leberkrankheit. 80 Prozent davon sind Männer. Rund 600 000 bis eine Million Deutsche sollen an einer fortgeschrittenen alkoholbedingten Leberkrankheit wie Alkoholhepatitis oder Alkoholzirrhose leiden. Die Sterblichkeit in dieser Gruppe ist hoch.

Leberentzündungen - ein Riesenspektrum

Auch chronische Virusinfektionen sowie - seltener – Autoimmunprozesse und Stoffwechselstörungen führen zu Leberschäden. Die Ursachen für die nichtalkoholbedingten Erkrankungen sind zahlreich. Vom griechischen Wort „Hepar“ für Leber leitet sich der Begriff Hepatitis (Leberentzündung) ab. Unterschieden werden die Formen, A, B, C, D und E. Während die Hepatitis A beispielsweise durch verunreinigtes Wasser oder Lebensmittel übertragen wird, wird der Hepatitis-B-Virus über das Blut oder über Schleimhautkontakt weitergegeben. Gegen Hepatitis A und B kann man sich impfen lassen. Der Impfschutz sollte alle zehn Jahre überprüft werden. Hepatitis D kann nur bekommen, wer an Typ B erkrankte und Hepatitis E ähnelt der Hepatitis A. Weltweit sterben täglich 4.000 Menschen an Formen von Virushepatitis, jährlich 1,4 Millionen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) begeht seit 2011 jährlich am 28. Juli den Welt-Hepatitis-Tag. Er soll über die Erkrankung aufklären und zur Früherkennung beitragen. Am 28. Juli 2015 wäre der Entdecker der Hepatitis B, der amerikanische Arzt und Genetiker Baruch Samuel Blumberg († 2011), 90 Jahre alt geworden.

Die besondere Hepatitis C

Der Erreger der Hepatitis C wurde erst 1989 entdeckt. Vorher erhielten Erkrankte die Diagnose „NonA-NonB-Hepatitis“. Der Virus wird durch Blutprodukte, bei spritzenden Drogenkonsumenten, beim Tätowieren, Piercen oder bei riskanten Sexualpraktiken übertragen. Bei 39 Prozent der Erkrankten findet sich allerdings keine Ursache. Rund 65.000 bis 260.000 über 20-jährige Erkrankte werden in Deutschland geschätzt. 6800 Frauen der ehemaligen DDR wurden zwischen 1977 und 1979 durch ein verseuchtes Serum im Rahmen der Anti-D-Rhesusprophylaxe infiziert. Um die #Gesundheit dieser Betroffenen zu überwachen und zu erforschen, laufen an der Klinik und Poliklinik für Gastroenterologie und Rheumatologie des Universitätsklinikums Leipzig Langzeitstudien.

Neue, nichtinvasive Diagnostik

Ein Warnsignal für eine Lebererkrankung können erhöhte Leberwerte (Gamma-GT, GOT, GPT) sein. Virusinfektionen lassen sich mit Antikörper-Bluttests nachweisen. Blutspender werden obligatorisch auf Hepatitis-B und -C-Antikörper untersucht.

Wer wie etwa eine Million Deutsche bereits an Fettleber oder Hepatitis erkrankt ist, musste sich bisher regelmäßig einer Leberpunktion unterziehen, um anhand einer Gewebeprobe den Krankheitsverlauf beurteilen zu lassen. Neuerdings lassen sich diese Biopsien immer öfter durch eine schonende Ultraschalluntersuchung ersetzen. Mit einer schmerzfreien und nur fünf bis zehn Minuten dauernden Elastografie können Mediziner einen etwa hundertfach größeren Abschnitt der Leber erfassen als bei einer Punktion. Gemessen wird die Steifigkeit des Lebergewebes, die bei einer Leberzirrhose zunimmt. „Je stärker das Gewebe, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Patient innerhalb von fünf Jahren stirbt“, erklärt Professor Dr. med. Mireen Friedrich-Rust, Oberärztin der Medizinischen Klinik I am Universitätsklinikum Frankfurt am Main. „Vergleichende Studien haben gezeigt, dass die nichtinvasive Ultraschall-Elastografie genauso verlässlich ist wie eine Gewebeuntersuchung.“ Biopsien werden nicht vollkommen überflüssig, können aber deutlich reduziert werden, betont die Fachärztin für Innere Medizin und Gastroenterologie. Noch ist das Verfahren kein Standard und keine Kassenleistung. In vielen großen deutschen Kliniken, unter anderem auch in Leipzig, profitieren Patienten und Patientinnen aber im Rahmen von Studien davon.

Foto: ©Dagmar Möbius

Prof. Dr. med. Mireen Friedrich-Rust, hier mit Prof. Dirk Becker, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin.Die Internistin und Gastroenterologin setzt die Elastografie im Universitätsklinikum Frankfurt/Main ein.