1983 wurde das Humane Immundefizienz-Virus (HIV) entdeckt. Es schwächt die körpereigene Abwehr: Krankheitserreger wie Bakterien, Pilze oder Viren können nicht mehr aus eigener Kraft bekämpft werden. Das Virus verbleibt lebenslang im Körper. Eine Heilung ist trotz intensiver medizinischer Forschung noch nicht in Sicht. Dennoch führt nicht jede HIV-Infektion zwangsläufig zu einer Aids-Erkrankung. Aids steht für „Acquired Immune Deficiency Syndrome“. Das bedeutet „erworbenes Abwehrschwäche-Syndrom.“ Mehr als 20 Wirkstoffe stehen heute zur Verfügung, die verhindern, dass sich das Virus im Blut vermehrt. Diese Medikamente müssen allerdings lebenslang eingenommen werden und können schwere Nebenwirkungen mit sich bringen.

 

Größtes Risiko: ungeschützter Geschlechtsverkehr

 

Das Humane Immundefizienz-Virus überträgt sich ausschließlich, wenn infiziertes Blut, Sperma, Scheidenflüssigkeit auf Wunden oder Schleimhäute trifft. Nach wie vor besteht das größte Übertragungsrisiko beim ungeschützten Geschlechtsverkehr. Gefährlich leben auch Drogenkonsumenten, die Spritzen gemeinsam nutzen. Zwei bis vier Wochen nach einer HIV-Infektion vermehrt sich das Virus besonders stark.

Im Anfang Juli 2015 veröffentlichten Epidemiologischen Bulletin des Robert Koch Instituts werden für 2014 insgesamt 3.525 gesicher­te HIV-Neudiagnosen erwähnt, davon 2.864 von Männern und 659 von Frauen (zwei ohne Geschlechtsangabe). Das waren insgesamt 237 Neudiagnosen mehr als im Jahr 2013. Obwohl die Meldungen anonym abgegeben werden und sich damit in der Vergangenheit nicht immer zwischen Neudiagnosen und Mehrfachmeldungen unterschieden ließen, weisen die Autoren auf eine reale Zu­nahme von HIV-Neudiagnosen hin. Nordrhein-Westfalen hatte für 2014 mit 786 die meisten „gemeldeten HIV-Erstdiagnosen zwölf Monate nach Transmissionsrisiko“ in Deutschland. Das Saarland mit 35 Fällen die wenigsten. Zum Jahresende 2014 waren 1.135 Personen an Aids erkrankt. Seit 1982 wurden 30.474 Aids-Erkrankte in Deutschland gezählt. 14.724 Menschen davon verstarben.

 

Test seit drei Jahrzehnten auf dem Markt

 

In den USA wurde der erste HIV-Test im Januar 1985 patentiert. Der erste deutsche Test wurde vier Monate später zugelassen. 30 Jahre lang mussten Getestete zwölf Wochen auf das Ergebnis warten. Nun stehen neue zuverlässige Verfahren zur Verfügung, durch die schneller Gewissheit herrscht. Die Deutsche Vereinigung zur Bekämpfung von Viruskrankheiten und die Gesellschaft für Virologie haben dazu kürzlich im Bundesgesundheitsblatt Stellung genommen. Bereits 2014 waren die europäischen Leitlinien angepasst worden. Großbritannien weicht von der Empfehlung ab. Hier hält man ein diagnostisches Fenster von vier Wochen für ausreichend.

 

Schnelltests sind nicht schneller

 

In ihrem aktuellen HIV-Report 3/2015 weist die Deutsche Aidshilfe darauf hin, dass Schnelltests durchschnittlich später als Labortests reagieren. Das liegt an den unterschiedlichen Verfahren. So wird für Schnelltests Vollblut oder Kapillarblut benötigt. Antikörper lassen sich jedoch nur im Serum nachweisen. Für Schnelltests gilt die bisheriege Zwölf-Wochen-Regel. Welcher Test sinnvoll ist, entscheidet in der Regel die konsultierte Fachkraft oder ein Mediziner. Wer ein HIV-Infektionsrisiko eingegangen ist, kann sich bei Aidshilfen, Präventionsprojekten oder Gesundheitsämtern, auch anonym, beraten lassen. Die Tests werden dort gegen eine geringe Gebühr, zum Teil kostenlos, durchgeführt. Im Internet erhältliche Heimtests sind in Deutschland übrigens verboten.

Foto: ©Dagmar Möbius

Die Plakate der Kampagne „machs mit – gib Aids keine Chance“ der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung sollen zum Informieren animieren.  #Gesundheit