Ende 2015 läuft die Zulassung für das Pflanzenschutzmittel Glyphosat aus. Die Pharmakonzerne werden wieder aktiv und rühren die Werbetrommel für ihr angeblich unbedenkliches Produkt.

Wie das ZDF-Magazin „Frontal 21“ am 29. September 2015 in seinem Beitrag zur Gesundheitsgefährdung durch die Chemikalie Glyphosat mitteilte, werden 40 % der bundesdeutschen Ackerflächen mit Glyphosat gedüngt. Laut Tagesschau ist Glyphosat das meistverkaufte Unkrautbekämpfungsmittel in Deutschland und demzufolge ein Milliardengeschäft für die Pharmaindustrie. Nachvollziehbar, dass die Konzerne mit allen Mitteln um die regelmäßige Erneuerung der EU-Zulassung kämpfen.

Schon länger steht die Chemikalie im Verruf. Die WHO geht von einer hohen Wahrscheinlichkeit aus, dass Glyphosat verschiedene Krebsarten verursacht. Außerdem steht die Chemikalie in Verdacht, das Erbgut zu beeinträchtigen und dadurch Missbildungen bei Neugeborenen zu erzeugen. Die Erneuerung der EU-Zulassung schien bisher Routine zu sein und Pharmakonzerne brauchten sich darüber eigentlich keine Gedanken machen. Doch je mehr die gesundheitsgefährdenden Auswirkungen der Chemikalie in die Öffentlichkeit rücken, desto lauter wird der Ruf nach wirkungsvollen Maßnahmen der Behörden. Bisher haben diese negative Auswirkungen von Glyphosat auf die #Gesundheit meist abgestritten.

Krebsforschungsagentur der WHO: klare Meinung über Glyphosat

Im März 2015 ließ die Krebsforschungsagentur der WHO offiziell verlauten, Glyphosat sei wahrscheinlich krebserregend. Deutsche und europäische Behörden reagieren allerdings nur zögernd auf diese Mitteilung. Doch es wird immer schwieriger, sich hinter Verharmlosungsparolen zu verstecken. Am 29. September gab es zu dem Thema Glyphosat eine Bundestagsdebatte, denn innerhalb der EU ist jetzt Deutschland für die Neubewertung der Chemikalie verantwortlich. Hier wurde eine von 6.700 Ärzten unterschriebene Liste publik gemacht, die erklärten, dass Glyphosat ein gefährliches Unkrautbekämpfungsmittel sei.

Zur Anhörung im Bundestag waren Experten und Wissenschaftler geladen, die unterschiedliche Meinungen vertraten. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) spielt dabei eine wesentliche Rolle. Die Einrichtung steht in der Kritik, zu industriefreundlich zu urteilen. Basis für die Skepsis sind Bewertungen zweier Institute, die völlig unterschiedliche Standpunkte einnehmen.

Verharmlosung durch das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR)

Im „Frontal 21“-Beitrag kam BfR-Präsident Andreas Hensel zu Wort und bestätigte erneut seine Unbedenklichkeitserklärung. Auf Nachfragen wiegelt er ab und erklärte, dass das laufende Genehmigungsverfahren noch nicht abgeschlossen sei. Den Vorwurf der Industriefreundlichkeit wies er von sich. Doch immer mehr Zweifel an seiner Urteilsfähigkeit werden laut. Es ist eben dieses Bundesinstitut für Risikobewertung, welches der zuständigen europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) die wissenschaftliche Basis für eine europäische Entscheidung liefern soll. Weil seine Einschätzung für die EU-Neuzulassung des Stoffes ausschlaggebend ist, sollte sein Urteil nicht sang und klanglos untergehen.

Doch hinter dem BfR steht eine starke Pharma-Lobby, der offensichtlich auch unsere zuständigen Minister nichts entgegensetzen können oder wollen. Die Grünen verlangten im Bundestag eine Überprüfung des Zulassungsverfahrens. "Die Bundesregierung muss dafür sorgen, dass das laufende europäische Verfahren auf Grundlage eines neuen, von unabhängigen Fachleuten erarbeiteten Bewertungsberichts neu aufgerollt wird. Sie muss angesichts der systematischen Fehler, die bei der Erarbeitung der BfR-Stellungnahme gemacht wurden, umgehend eine Untersuchung einleiten", sagte Grünen Politiker Harald Ebner.

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Bild: joost j. bakker - Flickr: New Holland TL 90 - lizenziert unter CC BY 2.0 - Wikimedia Commons #Europäische Union #Lebensmittel