Vier Könige? Schon wieder so ein neumodisches Märchen im Kino? Von wegen. Lara, Alex, Timo und Fedja sind jung. Soweit alles normal. Außer: das Quartett verbringt Weihnachten in der Psychiatrie. „Warum sind Sie eigentlich hier, es zwingt Sie doch keiner?“, provoziert der aggressive Timo (Jannis Niewöhner) den jungen Doktor. Der will einiges anders machen und setzt auf Vertrauen. „Zwingt euch einer?“, kontert der Psychiater. Erst viel später offenbart Dr. Wolff (Clemens Schick) sein Geheimnis.

Lara (Jella Haase) scheint zunächst völlig falsch in der Klinik. In unbekümmerter Naivität will sie alles wissen. Von jedem. „Sie stellen doch auch den ganzen Tag Fragen, die Sie nichts angehen“, begegnet sie der Therapeutenneugier. Alex (Paula Beer) und Fedja (Moritz Leu) sagen über weite Teile des Streifens gar nichts. Umso eindrücklicher wirken ihre inneren Kämpfe.

„Welche Diagnose die Protagonisten haben, sollte keine Rolle spielen“, sagte Drehbuchautorin Esther Bernstorff anlässlich einer Voraufführung vor Fachpublikum in Berlin. Der Saal war überfüllt. „Ich freue mich, dass Sie trotz so viel Dunkelheit geblieben sind“, lobte sie nach 103 Minuten Spielzeit. Doch so düster ist das fiktive Drama unter der Regie von Theresa von Eltz gar nicht. Die Patienten albern, halten zusammen und ihrer Umwelt einen Spiegel vor.

Reale Erzählungen eines Psychiatrie-Chefarztes dienten als Vorlage für die Autorin. „Er erzählte mir, dass viele Eltern ihre schwer erziehbaren Kinder zu Weihnachten in der Klinik abliefern.“ Einige der verhinderten Erziehungsberechtigten bekommen auch im Film ihren Auftritt. Fragt sich: Wer macht eigentlich wen krank und warum? Man könnte schmunzeln, wenn sich nicht so viel lähmende Hilflosigkeit übertragen würde.

Unterdessen spielen die jugendlichen Patienten die Geschichte der heiligen drei Könige nach. Doch sie sind vier Personen. Mit dem erfundenen Zusatz-König Alfons feiern sie ein selbstbestimmtes Weihnachtsfest. Rosa Wolken sind nicht in Sicht. Dafür glaubhafte Realität. Wer will, erkennt sogar ein Fünkchen Psychiatriekritik. „Uns war wichtig zu zeigen, dass es im Leben immer Perspektiven gibt“, so Esther Bernstorff. „Weihnachten ist für jeden ein Thema.“ Wie soll es sein? „Ohne Druck, ohne Geschenke, ohne Erwartungen.“ Darüber herrscht Einigkeit. Über geklauten Alkohol eher nicht.

Die Produzenten sind sicher, mit dem Spielfilm vor allem junge Leute zu erreichen. Wegen „Fack-ju-Göthe“-Star Jella Haase. Aber nicht nur. Alle Darsteller agieren gleichrangig. Die Reaktionen nach der Vorpremiere fielen unterschiedlich aus. Eine Nervenärztin fühlte sich emotional berührt. Eine Psychiatrieerfahrene bestätigte, dass Patienten in der Klinik keinen Alltag kennen. Mehrere Krankenschwestern und Pfleger kritisierten die Darstellung ihres Berufsstandes – in persona von Schwester Simone (Anneke Kim Sarnau). Im Film rivalisiert sie mit Dr. Wolff um Anerkennung. „Natürlich hätte der Psychiater die Pflege einbeziehen müssen“, erklärte die Drehbuchautorin, „aber wir zeigen Menschen mit Seele und Erfahrungen.“ Mit und ohne weißen Kittel. Und ohne Schein-happy-end. #Kino #Depression