„Einen gesunden Lebensstil haben wir alle in der eigenen Hand“, sagt Professor Tilman Grune. Der Wissenschaftliche Vorstand des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung in Potsdam-Rehbrücke (DIfE) informierte heute Bundesforschungsministerin Prof. Johanna Wanka über die Aktivitäten des Kompetenzclusters Ernährungsforschung Berlin/Brandenburg. Welche Rolle die Ernährung für ein gesundes Altern spielt, steht bei den Wissenschaftlern im Fokus. Der Forschungsverbund „NutriAct“ wird seit Juni 2015 mit 5,6 Millionen Euro für drei Jahre gefördert. Mehr als 50 Partner, davon 32 Forschungseinrichtungen und regionale Unternehmen sind dabei. In München, Jena/Halle/Leipzig und Bonn wird ebenfalls mit dem Ziel geforscht, die #Gesundheit der Generation 50+ zu verbessern.

 

Schmackhaft und gesund essen – das geht

 

Menschen, die vernünftig essen und sich bewegen, erkranken seltener an Diabetes, Herzinfarkt oder Schlaganfall. Was gesund ist, wissen aber viele nicht oder es ist ihnen zu anstrengend, ihre Gewohnheiten zu ändern. „Ich bin optimistisch, dass zwischen 50 und 70 Jahren noch etwas zu machen ist“, hofft Wanka. Doch die Lebensmittel der Zukunft müssen den Konsumenten auch schmecken. „Der gesundheitliche Mehrwert eines Lebensmittels steht nicht selten im Gegensatz zu seinem Genuss“, gibt Olaf Bauermann, Geschäftsbereichsleiter Foodtech am Institut für Getreideverarbeitung, zu. Den Wissenschaftlern seines Hauses gelang das offenbar, denn sie wurden mit einem Innovationspreis für ihre Protein-Extrudate auf Erbsenbasis ausgezeichnet. Regional anbaubare Erbsen können den Import von Soja ersetzen. Künftig sollen regionale Anbieter die Flakes, Crispies, Nuggets und Nudeln produzieren. Alle sind allergen-, gluten-, gentechnik- und zusatzstofffrei. In einer Studie mit 250 Berlinern und 250 Brandenburgern soll herausgefunden werden, welche Ernährungstipps die Mitfünfziger dauerhaft annehmen und ob sich eine ausgewogenere Kost günstig auf einen Typ-2-Diabetes auswirken kann.

 

Tomaten-Marker und Hautfluoreszenzen

 

„Ältere und kranke Menschen haben viel weniger Lycopin im Blut als jüngere, gesunde Personen“, sagt Dr. Daniela Weber aus der Abteilung Molekulare Toxikologie am DIfE. Lycopin ist der rote Farbstoff der Tomate. Er fängt freie Radikale ab und verhindert, dass Zelle und Gewebe geschädigt werden. Die Forscher identifizieren bestimmte Ernährungsmuster und untersuchen, wer von einer Lycopin-reichen Ernährung profitiert.

Ob man an Diabetes erkranken wird, sagen beispielsweise so genannte AGEs voraus. Diese Endprodukte des Zuckerstoffwechsels werden auf der Haut über drei bis fünf Jahre abgebaut. So können sie als Risikomarker für Folgeerkrankungen wie Nierenversagen, Erblinden, Herz-Kreislauf-Krankheiten oder diabetisches Fußsyndrom dienen. „Wir messen dazu Fluoreszenzen der körpereigenen Proteine auf der Haut, meist vom inneren Oberarm, und scannen sie am Computer Schicht für Schicht“, erklärt Dr. Tobias Jung. So wollen die Forscher besser die molekularen Mechanismen verstehen, die Zellen altern und Diabetes entstehen lassen.

 

Alternativen aus Erbsen und Raps

 

In der Abteilung Klinische Ernährung untersucht Thomas Gantert verschiedene #Lebensmittel. Rapsöl, früher als Lampenöl verwendet, wird heute mehr als Olivenöl gekauft. Das ist gut. Denn es kann Cholesterin- und Leberwerte im Blut effektiv senken. Palatinose ist ein insulinsparender Zucker und dabei kein Zuckersatzstoff. Auch Walnüsse in Muffins dürfen die Studienteilnehmer zu sich nehmen. „Kaum jemand schafft die fünf empfohlenen Portionen Obst und Gemüse am Tag“, weiß Rebecca Klopsch. Sie hat mit ihren Kollegen vom Leibniz-Institut für Gemüse- und Zierpflanzenbau Großbeeren bzw. vom Institut für Lebensmittel und Umweltforschung Nuthetal ein gesundes Sprossenbrot gebacken. Es enthält Pak Choi, Lupinen und Petersilie und damit viele sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe wie Carotinoide, Flavanoide und Glucosinolate. Ministerin Wanka hat es geschmeckt.

Fotos: ©Dagmar Möbius (3) #Kochen