Zuerst die gute Nachrichten: drei Viertel der Erwachsenen in Deutschland fühlt sich gesund. Und: in den letzten 20 Jahren nehmen Senioren ihr Befinden gebessert wahr. Die andere Seite der Medaille: ein Drittel aller Erwachsenen lebt mit gesundheitlichen Einschränkungen.

Diese Zahl veröffentlichte heute das Robert Koch Institut. Wie gesund die in Deutschland lebenden Menschen sind, wird regelmäßig von Wissenschaftlern untersucht. Bisher dreimal wurde der umfangreiche Bericht „#Gesundheit in Deutschland“ veröffentlicht, zuletzt im Dezember 2015. Nun ist er auch in leichter Sprache erhältlich und kann im Internet heruntergeladen werden.

Die demografische Entwicklung und die soziale Lage beeinflussen die Gesundheit und die medizinische Versorgung am meisten. Erkenntnisse aus zahlreichen Studien und Statistiken lassen diese Aussage zu. Allerdings geben die Forscher Lücken im Datenbestand in bestimmten Bereichen an, zum Beispiel bei Diabetes. Zudem werden erhebliche gesundheitliche Ungleichheiten in Deutschland deutlich. Der soziale Status, das Geschlecht, der Migrationsstatus und die Region, in der man wohnt, beeinflussen die Gesundheit. Besonders deutlich wird das bei der Lebenserwartung. Spitzenverdienerinnen werden durchschnittlich acht Jahre älter als Geringverdienerinnen. Bei Männern macht der Sozialstatus einen Unterschied von zehn Jahren aus.

Gesundheitszahlen, über die jeder nachdenken sollte

Menschen sterben seltener an Infektionskrankheiten als vor 150 Jahren.

Chronische Erkrankungen des Herz-Kreis­lauf-Systems, der Knochen oder Muskeln, Krebs, Diabetes und psychische Störungen beschäftigen Patienten und Mediziner mehr als früher.

Die meisten Menschen sterben infolge von Herz-Kreislauf-Erkrankungen (39,7%), gefolgt von Krebserkrankungen (25%).

In den letzten 20 Jahren erkrankten weniger Menschen an Herzinfarkt und Schlaganfall.

2,4 Prozent der Frauen und 2,6 Prozent der Männer hatten im Laufe ihres Lebens einen Schlaganfall.

Etwa ein Drittel aller Erwachsenen in Deutschland, also ungefähr 20 Millionen Menschen, sind von Bluthoch­druck betroffen.

Sorge bereitet den Experten die steigende Zahl von Diabetikern, auch 0,2 Prozent der 7-bis 17-Jährigen sind betroffen.

Zwei Drittel aller Pflegebedürftigen werden zu Hause gepflegt.

Rund 2,6 Millionen Menschen erhalten Leistungen aus der Pflegeversicherung

Ein Viertel aller Kinder und Jugendlichen erkrankte an Allergien.

Ein Fünftel zeigt psychische Auffälligkeiten.

71,4 Prozent der Erwach­senen sind ausreichend gegen Tetanus geimpft.

Zu angebotenen Vorsorgeuntersuchungen geht weniger als die Hälfte der Anspruchsberechtigten.

Es gibt bundesweit 18.000 Medizinische Versor­gungszentren.

Für Medikamente werden rund 15 Prozent der Gesundheitsausgaben ausgegeben.

Pro Jahr stecken sich 400.000 bis 600.000 Patientinnen und Patienten mit Krankenhauskeimen an.

Jeder dritte Todesfall von jungen Menschen zwischen 15 und 24 Jahren ist unfallbedingt.

9,7 Litern Reinalkohol konsumierte der Durchschnittsdeutsche 2013 – viel mehr als der weltweite Durchschnitt. Laut WHO ist Alkohol in Europa der drittwichtigste Risikofaktor für Krankheit und Tod, nach Tabak und Bluthochdruck.

Erwachsene essen zu wenig Gemüse, Obst und Fisch. Männer verzehren zu viel Fleisch.

Drei Viertel aller Kinder und zwei Drittel der Erwachsenen treiben Sport. Zu angeratenen 2,5 Stunden Bewegung wöchentlich rafft sich nur jeder fünfte Erwachsene auf.

Vorsorgepotenzial für Gesundheit wird deutlich

Wohin sich das Gesundheitswesen in den nächsten Jahren entwickeln wird, ist nicht nur eine Frage der Politik. Jeder kann mit einem Entschluss beginnen und gesünder leben.

Foto: ©Dagmar Möbius

Ob man an Diabetes erkranken kann, lässt sich in wenigen Minuten auf einem von Wissenschaftlern entwickelten Online-Portal testen. Ernährungswissenschaftlerin Catarina Schiborn vom Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke erklärt, wie es funktioniert. Spannend: gibt man kleine Änderungen an, zum Beispiel für etwas mehr Bewegung im Alltag, ändert sich das Risiko.