Ein allgemeines Gefühl von Schwäche und Müdigkeit, ungewollter Gewichtsverlust, eine juckende oder gelblich verfärbte Haut sowie eine tastbare Schwellung am Bauch können Anzeichen eines bösartigen primären Lebertumors - dem Leberzellkarzinom (HCC, Hepatocellular Carcinoma) sein. „Da die meisten betroffenen Patienten an einer chronischen Lebererkrankung leiden, fallen am Anfang der Tumorentstehung nur selten die typischen Beschwerden auf“, weiß Prof. Dr. Uta Drebber, geschäftsführende Oberärztin am Zentrum für Pathologie an der Uniklinik Köln.

PatientInnen mit einer Leberzirrhose als Folge einer chronischen Lebererkrankung haben ein erhöhtes Risiko, ein HCC zu entwickeln, und werden daher in regelmäßigen Intervallen in Spezialambulanzen betreut. Im Falle eines Leberzellkarzinoms ist eine frühe Diagnose die Voraussetzung für eine erfolgreiche Therapie oder für eine Behandlung, die die Überlebenschancen erhöht oder die Lebensqualität verbessert.

Zunahme von Leberzirrhose durch Virushepatitis, Alkohol oder Fettleibigkeit und Diabetes mellitus

 #Leberkrebs entsteht zu etwa 80 Prozent auf dem Boden einer Leberzirrhose. Diese ist die Folge einer chronischen Lebererkrankung wie einer chronischen Virushepatitis oder einer alkoholischen Fettlebererkrankung bei jahrelangem Alkoholmissbrauch. Auch Fettleibigkeit und Typ 2 Diabetes mellitus stellen Risikofaktoren für eine chronische Entzündung der Leber mit der Folge einer Leberzirrhose dar“, erläutert die Pathologin.

Die durch Bewegungsmangel und Überernährung verursachten Wohlstandskrankheiten wie Adipositas und Diabetes mellitus werden laut Angaben der Krebsgesellschaft bis zum Jahr 2020 dazu führen, dass die nicht-alkoholische Fettleberhepatitis (#NASH) die häufigste Form der Lebererkrankung sein wird. Leberkrebs kann als Folge einer NASH-Zirrhose entstehen; betont werden muss jedoch, dass die Karzinomentstehung hier auch schon vor dem Zirrhose-Stadium erfolgen kann.

Suche nach typischem Tumormarker AFP

Bei Verdacht auf ein Leberkrebs erfolgen zunächst Blut- und Ultraschalluntersuchungen. Das Blut wird beispielsweise auf typische Tumormarker untersucht, also auf Substanzen, die verstärkt von Tumorzellen gebildet werden. „Im Fall von Leberzellkarzinomen sucht man nach dem Marker AFP, dem Alpha-1-Fetoprotein. Dieser kann beim Leberzellkarzinom erhöht sein“, so Drebber. 

Labor-Untersuchungen, bildgebende Verfahren, Biopsie

Mit Hilfe der Kontrastmittel-Sonographie stellt der Kliniker fest, ob ein Tumor vorliegt und wo er sich befindet. „Moderne Ultraschallgeräte, die Magnetresonanztomographie oder Computertomographie decken auch wenige Millimeter große Lebertumoren auf. Aber nicht in allen Fällen liefern die bildgebenden Verfahren genügend Informationen, um eine sichere Diagnose zu stellen. Letztendliche Sicherheit bringt dann nur eine Gewebeuntersuchung durch den Pathologen“, betont die Medizinerin. 

Bei der Punktion führt der Arzt unter Kontrolle von Ultraschall oder Computertomographie eine feine Hohlnadel in den verdächtigen Bereich ein und entnimmt eine Probe des Organs

Die Probe wird dann in einem Pathologie-Institut histologisch untersucht. Hierbei geht es um die Analyse des Tumorgewebes. Die pathologische Diagnose zeigt, ob ein Leberzellkarzinom vorliegt und wie weit sich das Tumorgewebe bereits vom Normalgewebe unterscheidet. 

Möglichkeiten der Therapie

Zur Behandlung von Leberzellkarzinomen stehen unterschiedliche Verfahren zur Wahl. Je nachdem, in welchem Allgemeinzustand die PatientInnen sind, wie weit die Leber bereits geschädigt ist und wie fortgeschritten der Tumor ist, erfolgt eine chirurgische Entfernung des lokal begrenzten Tumorherdes bzw. eine Entfernung des Organs mit anschließender Lebertransplantation, eine lokale Verödung des Tumors oder eine medikamentöse Therapie. Auch kombinierte Therapieverfahren sind möglich. Das Therapiekonzept wird individuell für die einzelnen PatientInnen in interdisziplinären Tumorkonferenzen geplant und festgelegt. #Tumormarker AFP