Ein Jeck der Arges dabei denkt.

Die Neuregelung des Arzneimittelgesetzes wurde nun am 11.11.2016 vom Bundestag verabschiedet. Der Zeitpunkt wurde gut gewählt, denn während sich Teile der Bevölkerung noch vom Wahlschock der US Präsidentschaftswahlen „auskaterte“, begingen viele andere die Feierlichkeiten zur fünften Jahreszeit und huldigen ab nun “Prinz und Prinzessin Karneval“.

Menschenversuche, eine unkalkulierbare Gefahr?

Ein neues Vorhaben zur Ausweitung von Arzneiversuchen an Dementen bewegt die Gemüter bei den Betroffenen und deren Angehörigen. Wie will man mögliche Manipulationen gewissenloser Betreuer und Ärzte begegnen, beziehungsweise verhindern? Wer garantiert einem, dass der oder die Betreffende dahin gehend informiert wurde, dass man dann neuerdings mit ihrem Einverständnis auch andere, nicht ihren Fall betreffende Versuche, oder Studien durchführen darf?

So beschwichtigte Hermann Gröhe – Richtig, genau jener, der in den relativ harmlosen E-Zigaretten eine Gefahr wittert -, auch gleich in einer Presserklärung, Zitat: „ … Solche klinischen Prüfungen sind erforderlich, um etwa die Behandlung von Demenzkranken weiter zu verbessern. Hierbei stehen der Wille und der Schutz des Einzelnen zu jedem Zeitpunkt an erster Stelle.“

Sorgsam vermied er dabei zu erwähnen, dass solche Studien an Demenz erkrankte Personen hier in Deutschland bereits vor der Neuregelung möglich waren. Und auch diese Situation war schon sehr fragwürdig. Auch hier mussten die Probanden noch, während sie im Vollbesitz ihrer geistigen Kräfte waren, ihr Einverständnis geben. Allerdings waren diese klinischen Studien nur an fallbezogenen Forschungen erlaubt. So konnte ein zu Beginn an Demenz erkrankter seine Zustimmung für solche Studien geben, um so eventuell für sich, oder aber auch für andere Menschen mit der gleichen Erkrankung, z.B. durch Medikamententests die Heilungschancen zu erhöhen, oder das Leiden lindern zu helfen.

Eindeutig eine rote Linie überschritten

Welche Grenze wird als nächste Überschritten?

Mit dieser Neuregelung wird den Medizinern und der Pharmaindustrie der Weg vom Bundestag bereitet, an nicht mehr einwilligungsfähigen und an Demenz erkrankten Personen umfangreiche und jetzt legale #Menschenversuche vorzunehmen. Welche Grenze wird als Nächstes überschritten, wenn sich kein Widerstand in der Bevölkerung regt? Noch sind solche Personen vom Gesetz her geschützt, die von Geburt an oder durch ihr Alter bedingt keine vorherige Einverständniserklärung abgeben konnten, sich umfangreich als Versuchskaninchen für eine immer schamlosere Pharmaindustrie missbrauchen zu lassen.

In einem Interview bei “EurActiv.de“ zu lesen, wies Gröhe einen Vergleich an Menschenversuchen des Naziregimes energisch zurück und erwiderte, dass dieser Vergleich „ … auch eine Verharmlosung der Monstrosität der Naziverbrechen“ ist. Sicherlich hat er mit dieser Aussage nicht so ganz unrecht. Tatsache ist aber auch, dass es immer “klein“ beginnt, der “große Wurf“ kann dann später erfolgen. Es passiert schleichend und kaum von der Bevölkerung wahrgenommen, bis es dann zu spät ist, wie man es jetzt schon beobachten kann.

Sich wie Grohe auf die Ethikkommission zu verlassen, ist zu kurz gegriffen und so naiv ist dieser Mann nicht. Eine völlige Überwachung ist nicht möglich, das hat schon die Vergangenheit gezeigt, als in den 50er, bis weit in die 70er Jahre hinein, Medikamentenversuche an Heimkinder durchgeführt wurden, wie dies erst kürzlich vom WDR aufgedeckt wurde.

Das nachfolgende Video verdeutlicht sehr eindringlich, wie auch jetzt noch Menschen mit Demenz „off-label use“ mit Neuroleptika “Behandelt“ werden und welche Folgen dies haben kann. Bei einem sogenanntem „off-label use“ geht es darum, dass zugelassene Medikamente außerhalb ihrer Zulassung für Forschungszwecke eingesetzt werden.

Angehörige oder Betreuer werden dabei nicht gefragt.

#Arzneimittelgesetz #Gesundheit