Urinflaschen leeren, immobile Patienten mit Bettpfannen versorgen, Waschen und Verbände wechseln sind nur ein kleiner Teilbereich des Aufgabenspektrums einer #Krankenschwester / eines Krankenpflegers im stationären Bereich. Die typische Krankenschwester, die 90 Prozent ihrer Zeit mit Kaffee in der Hand im Schwesternzimmer sitzt, wie man es aus manch einem Hollywood- Film kennt, gibt es nicht mehr bzw. gab es wahrscheinlich noch nie. Stetig wachsende Qualitätsanforderungen an die Dienstleistung „#Pflege“, steigende Patientenzahlen und ein Mangel an vorhandenem Pflegepersonal in Deutschland gestalten den Pflegealltag.

Aufgrund immer besser werdender medizinischer Versorgung steigt auch die Lebenserwartung der Menschen. Menschen werden also immer älter, doch zugleich fällt die Geburtenrate. Daraus kann man folgern, dass es immer mehr ältere Menschen gibt, die versorgt werden müssen. Gleichzeitig gibt es immer weniger potentiellen Nachwuchs in der Pflege. Dieser fehlende Nachwuchs muss also kompensiert werden. Vielen stationären Einrichtungen bleibt somit nichts anderes übrig, als die Schichten auf Mindestbesetzung zu planen. Eine Pflegefachkraft muss oft für zwei arbeiten.

Die Folgen daraus können schwerwiegend sein. Eine Pflegefachkraft muss sich, aufgrund von Personalmangel, schwerwiegenden Aufgaben stellen. Patienten mit Übergewicht alleine waschen, drehen und heben. Nach einiger Zeit kann sich dies mit Rückenproblemen bemerkbar machen. Dauerstress während des Dienstes basierend auf unzähligen Aufgaben, die zu erledigen sind und ungeplante Zwischenfälle, wie Notfallversorgungen, werden oft in Form von Gedanken, die man nicht mehr los wird, mit nach Hause genommen und können zu psychischen Belastungen und Erkrankungen führen. Dabei spielt natürlich auch der Schichtdienst eine Rolle. Menschen werden immer krank. Ein Krankenhaus oder ein Seniorenzentrum schließt nicht von 18.00 – 8.00 Uhr. Freizeitplanung und ein Alltagsrhythmus ist oft nicht gegeben. Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass Arbeitsbelastungen und psychische Belastungen zu Personalausfällen durch Krankheit führen kann. Und dieses ausgefallene Personal muss in einer stationären Einrichtung ersetzt werden, denn die Versorgung der Patienten muss rund um die Uhr gewährleistet sein. Also muss ein Kollege / eine Kollegin „aus dem Frei geholt“ werden. Ein Teufelskreis beginnt.

Auch die Qualität leidet unter diesem immensen Zeitdruck. Manchmal schafft es die Pflegefachkraft nicht, oder eher gesagt nicht schnell genug, einen Patientenruf möglichst schnell zu bearbeiten. Es müssen Abstriche gemacht werden. Es muss entschieden werden, was wichtig ist und Priorität hat und was warten kann.

Doch was kann man tun, um diese Problematik zu beheben? Als examinierte Pflegefachkraft hat man in der Regel keine Probleme, einen Job zu finden. Es ist umgekehrt. Arbeitgeber, wie Krankenhäuser, suchen händeringend nach qualifiziertem Personal. Der Beruf an sich muss attraktiver gestaltet werden, sodass sich unser Nachwuchs für dieses Berufsfeld interessiert. Förderung der Ausbildung von Pflegefachkräften, bessere Bezahlung und Arbeitsbedingungen, Würdigung der Tätigkeit als Pflegekraft und die Professionalisierung der Pflege wären Ansätze dafür.

Es besteht Handlungsbedarf.

Bildquelle: By Gabriel Émile Édouard Nicolet (Swiss, 1856-1921) - http://images.fineartamerica.com/images-medium-large/portrait-of-a-nurse-from-the-red-cross-gabriel-emile-niscolet.jpg, Public Domain, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=32716101 #Pflegesituation