In der #Medizin gibt es kaum eine Fachrichtung, die ohne den Einsatz von Computern arbeitet. Jede Fachrichtung hat ihre speziellen Anwendungen und Einsatzmöglichkeiten, so auch die #Radiologie, also die früheren "Röntgenärzte". Wir haben mit dem Radiologen Dr. med. Dr.-Ing. #Dieter Mahr über neue Entwicklungen im Bereich des MRT (Kernspin) gesprochen.

Blasting.News: Herr Dr. Dr. Mahr, Sie sind seit 35 Jahren als Radiologe tätig. Hat sich in dieser Zeitspanne in Ihrem Bereich Wesentliches verändert?

Dieter Mahr (lacht): Mein Nachname genügt, den Doppeldoktor müssen Sie wirklich nicht so betonen. Aber zur Sache. Ob sich etwas verändert hat? Wir leben heute in einer ganz anderen Welt! Wenn Sie mir in den Achtzigern erzählt hätten, was heute alles möglich ist, hätte ich Ihnen kein Wort geglaubt.

Blasting.News: Können Sie unseren Lesern ein Beispiel geben?

Dieter Mahr: Da ist natürlich das Aufkommen von Computertomographie (CT) und Kernspintomographie (MRT) als solches. Wir machen heute Bilder vom Inneren des Menschen, die seinerzeit völlig undenkbar waren.

Vieles hat sich verändert

Blasting.News: Sie meinen jetzt die Leistungen der Geräte?

Dieter Mahr: Das sowieso. Aber auch ganz einfache Neuerungen. Schauen Sie, früher wurde den Patienten eine Tüte mit ein paar Bildern in die Hand gedrückt. Heute ist erhalten sie alle ihrer Daten auf einer kleinen CD. Damit kann der Patient zu jedem mitbehandelnden Arzt. Zum Beispiel, um sich eine zweite Meinung einzuholen oder Doppeluntersuchungen zu ersparen.

Blasting.News: Das klingt gut, aber eine CD ist inzwischen ja auch eher low-tech.

Dieter Mahr: Richtig. Deswegen sind inzwischen viele Ärzte und auch Kliniken vernetzt, so dass die Patientendaten, aber auch die Bilddaten über das Internet an alle Beteiligten versendet werden können, oder aber man hat Zugriff auf einen zentralen Datenspeicher und kann sich die Daten und Bilder der Patienten ansehen.

Blasting.News: Muss man sich diesbezüglich keine Sorgen wegen des Datenschutzes machen?

Dieter Mahr: Ich bin Arzt, kein Jurist, aber ich kann Ihnen versichern, dass sich – sprichwörtlich gesagt – ein ganzer Berufsstand um diese Frage kümmert. Hier sehe ich keinen Grund zur Besorgnis.

Blasting.News: Welche Veränderung in der Radiologie fasziniert Sie am meisten?

Dieter Mahr: Wir gehen derzeit in eine Richtung, in der Computer die Vielzahl gewonnener Ergebnisse speichert und mit den Ergebnissen bestimmter Krankheitsbilder vergleichen. So kann dann der Computer Diagnosen vorschlagen, die der Arzt überprüft und mit anderen Fakten vergleicht, so dass die richtige Diagnose deutlich schneller gefunden wird. Dies trifft insbesondere auf seltene Erkrankungen zu. Bei solchen Erkrankungen kann man nicht auf seinen Erfahrungsschatz zurückgreifen, aber ein Computer kann die Daten weltweit sammeln und miteinander vergleichen.

Ersetzen Computer bald den Arzt?

Blasting.News: Soll das heißen, die Geräte stellen demnächst die Diagnosen selbst?

Dieter Mahr: Nein, natürlich nicht. Und ich hoffe, dass auch nie jemand auf eine Idee dieser Art kommt. Aber es kommen eben zunehmend Computer zum Einsatz, die anhand der erstellten Bilddaten Diagnosevorschläge machen und somit die Sicherheit des Auffindens oder des Ausschlusses einer Erkrankung erhöhen. Die Betonung liegt auf „Vorschläge“. Das verlangt dann sogar nach mehr menschlicher Kompetenz, denn diese Vorschläge muss ja am Ende ein Mensch einordnen und bewerten.

Blasting.News: Können Sie uns hierfür ein Beispiel geben?

Dieter Mahr: Nehmen wir die Demenz. Bei der sogenannten Volumetrie wird das Gehirn des Patienten kernspintomographisch untersucht. Die Daten werden dann vom Computer mit den Daten von Gesunden verglichen. Der Computer geht in kleinste Pixel und kann schon geringe Abweichungen erkennen. Subtile Veränderungen in bestimmten Hirnarealen können schon sehr früh ein Hinweis sein. Das menschliche Auge ist nicht in der Lage, diese zu erkennen. Ein großer Fortschritt also, der den sorgsamen Arzt aber niemals ersetzen wird.