Schockierende Ergebnisse erbrachte eine Recherche im Auftrag der Union deutscher Verbraucher (UDV). Während der Absatz von Reinigungsmitteln und unnötig antibakteriell wirkenden Seifen steigt, sind zwei zentrale Orte der Öffentlichkeit weiterhin Keimschleudern ersten Ranges.

Einerseits viele Krankenhäuser, in denen es jedes Jahr zu zehntausenden Infektionen - oft mit multiresistenten Keimen - kommt, die nicht selten tödlich enden. Andererseits der "gute alte" Lebensmitteleinzelhandel. Hier besonders die Bereiche Metzgerei und Bäckerei.

Während die Produktionsstandards in beiden Bereichen sehr hoch sind und die Ware im internationalen Vergleich sehr gut, ist die Verkaufstheke weiterhin ein hygenisches Hochrisikogebiet für eine Infektion mit grippalen Infekten, Magen-Darm-Erkrankungen und anderen eigentlich leicht vermeidbaren Quälgeistern.

Der Grund liegt in einer in der Fläche immer noch unzureichenden Hygieneschulung und Hygieneausrüstung der Verkäuferinnen und Verkäufer, teils sicher auch an einem mangelnden Problembewusstsein. Dass die alte Volksweisheit "Was Dich nicht umbringt, das macht Dich härter" gefährlicher Unfug ist, hat das Robert-Koch-Institut (RKI) bereits vor langer Zeit endverbrauchergerecht aufgearbeitet. Es dringt jedoch offensichtlich noch nicht ausreichend in das Bewusstsein der Menschen.

"Die kritische Schnittstelle für jede Art der #Hygiene ist die Hand", betont Medizinerin Brigitte Oberwald. "Eben noch die Wurst angefasst, dann das Wechselgeld gefolgt von einmal Naseputzen und dem Zurechtschneiden eines rohen Hühnchens, um sich dann wieder dem Aufschnitt zu widmen - das alles ohne ordentliches Händewaschen oder Handschuhwechsel dazwischen. Das ist der Kern des Problems", so die Medizinerin. "Das ist ein Festival für Keime aller Art, aber Alltag in vielen Läden".

Die Union deutscher Verbraucher (UDV) hat auf diese Sachlage hin 79 Bäckereien und 82 Metzgereien bzw. vergleichbare Verkaufsstellen innerhalb von Supermärkten bundesweit in Augenschein nehmen lassen. Das Ergebnis ist schockierend:

Gerundet 85% aller Bäckereitheken und 62% der Metzgertheken entsprachen dem düsteren Szenario von Brigitte Oberwald. Hände wurde an entscheidenden Stellen nicht ordungsgemäß gewaschen, Handschuhe nicht gewechselt, Zangen und Messer nicht fachgerecht gereinigt, Geld und essfertige Ware abwechselnd angefasst sowie zahlreiche weitere grobe Verstöße gegen die Hygieneempfehlungen der Berufsverbände und des RKI begangen.

"Es ist schwer abzuschätzen, wie hoch der volkswirtschaftliche Schaden durch dieses Handeln ist", erklärt Volkswirkt Rupert Steinberg, "es fehlen epidemiologische Daten, um hierzu Berechnungen anstellen zu können". Denn in der Tat, tritt nach dem Genuss eines mit Grippeviren kontaminierten Brötchens eine Erkrankung auf, kommt niemand auf den Gedanken, dass die Infektion von der Backware ausging. Auch eine Beweisführung ist kaum mehr möglich, da eine verzehrte Ware nicht mehr existiert und somit ein Abgleich von Virenstämmen nicht mehr durchführbar ist.

Die Union deutscher Verbraucher (UDV) fordert daher alle in den sensiblen Bereichen Beschäftigen auf, selbst auf mehr Händehygiene zu achten. Außerdem erwartet die UDV vom Bundesministerium für Verbraucherschutz das Einführen harter Sanktionsmöglichkeiten gegen Hygienemuffel.

"Letztendlich", so Medizinerin Oberwald "muss man dabei auch an die Schwächsten denken. Chronisch Kranke und Menschen mit eingeschränktem Immunsystem sind die ersten Opfer dieser Schlampereien". Auch dies sollten sich die Verantwortlichen stets vor Augen halten. #Lebensmittelsicherheit #Lebensmittelskandale