Erkrankte beklagen sich bei der Union deutscher Verbraucher (UDV) immer häufiger darüber, dass Mediziner Termine mehr oder weniger gegen Bares anbieten würden statt ihren Pflichten ordnungsgemäß nachzukommen. Wer als Kunde einer gesetzlichen Krankenkasse nicht willens sei, Ewigkeiten auf eine Konsultation zu warten, kann die Zeit bis zum Termin augenscheinlich bei vielen Weißkitteln mit Barem rasant beschleunigen.

Diese Option wird offenbar in manchen Regionen als "Selbstzahlersprechstunde" deklariert, berichtet auch die WAZ. Dabei fielen Honorare in Höhe von bis zu 70 Euro an, so die Zeitung. Die Recherchen der UDV bestätigen solche Verfahrensweisen, wobei nicht alle Regionen Deutschlands und nicht alle Fachrichtungen gleichermaßen betroffen zu sein scheinen.

Besonders oft erreichen die UDV Klagen über Augenärzte, Hautärzte, Orthopäden, Neurologen, Kardiologen, Urologen und Psychiater. Ein Deal unter dem Motto "Bares gegen Behandlung" wäre in keiner Weise hinnehmbar, betont UDV-Experte Harald Kipper. In Deutschland entstehe sonst Tag für Tag mehr eine Dreiklassenmedizin: Luxusmedizin mit viel Zeit und Aufklärung für echte Privatpatienten, Mittelmaß für Mitglieder gesetzlicher Kassen, die draufbezahlen - und das Mindestmaß für den bedauernswerten Rest.

Die Union Deutscher Verbraucher (UDV) ruft deswegen alle Patienten auf, ihre Ärzte selbst zu kontrollieren. Praxen mit Kassenzulassung müssen nämlich gesetzlich vorgeschrieben mindestens zwanzig Stunden pro Woche für Kassenpatienten da sein. Viele Praxen scheinen dieser Pflicht aber immer seltener nachzukommen, vor allem in den wohlhabenderen Großstädten.

UDV-Experte Kipper erklärt, dass auch kostenpflichtige so genannte "Individuelle Gesundheitsleistungen" (IGEL) eine weitere Einnahmequelle für Ärzte sind. So manche Praxis habe in UDV-Tests Termine an Kassenpatienten schneller vergeben, wenn am Telefon angedeutet wurde, man wolle auch IGEL in Anspruch nehmen. Ganz zufällig fand sich in diesen Fällen dann doch noch eine Lücke im Terminplan.

Sollten Patienten den Eindruck haben, dass ihr Arzt seiner Verpflichtung von 20 Stunden pro Woche für Kassenpatienten nicht nachkomme, könne und sollte man die betreffende Praxis bei den zuständigen Aufsichtsbehörden und der eigenen Krankenkasse melden. #Abzocke #Arzttermine #Wartezeiten