#Mobbing ist ein Mega-Problem. Laut Studien erkranken inzwischen viele Opfer körperlich oder psychisch, wovon fast die Hälfte davon länger als sechs Wochen krank geschrieben bleibt - ein volkswirtschaftliches Desaster. Häufig wird versucht, über Gespräche, Interessensausgleich, Mediation und berufspädagogische Interventionen eine Mobbingsituation aufzulösen. Anhand der Zahlen, die stetig steigende Mobbingfälle aufweisen, scheint dieser Ansatz versagt zu haben. Aber was ist die Folge daraus? Ein bekannter Frankfurter Unternehmensberater, der ungenannt bleiben möchte, hat bereits 2004 auf einem Symposium einem schockierten Publikum vorgehalten, es sei naiv zu glauben, man könne Hierarchien, tradierte Gepflogenheiten und Benimmregeln abschaffen ohne dass das Tier im Menschen wieder durchbreche.

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Der Mensch ist des Menschen Wolf

Man solle deshalb wieder strenger zwischen Arbeitsrolle und Privatleben trennen, "mit dieser unsäglichen Duzerei am Arbeitsplatz aufhören und zu klaren Hierarchien zurückkehren". Die Arbeitgeber seien "am Zug radikale Regeln aufzustellen, was sich im Umgang miteinander gehört und was nicht", so der Berater. Diese Regeln seien dann auch "eisenhart durchzusetzen, im Notfall mit Sanktionen gegen Begriffsstutzige". Menschlichkeit und würdevoller Umgang seien nämlich "ein zivilisatorisches Konstrukt und keineswegs natürlich". Wer "zurück zur Natur" wolle, solle sich "vorab einen Knüppel besorgen", denn er werde ihn brauchen. Denn Mobbing sei ein "ganz natürliches Verhalten und in der freien Tierwelt". Es gehöre zum Rudelverhalten, zu "Rangkämpfen, zur Hackordnung.

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Mobbing ist im Kern nichts anderes". Dagegen helfe nur ein Mehr an Regeln, Ordnung und Disziplin.

Mobbing ist ein Rudelverhalten

"Ein archaischer, animalischer Impuls scheint auch beim Mobbing die entscheidende Rolle zu spielen", so Psychologe Jörg Talmann im Gespräch mit Blasting.News und UDV. Normalerweise würden "Impulse dieser Art beim Menschen durch zivilisatorische Errungenschaften wie Hierarchien, Gesetze, Traditionen und Gepflogenheiten in Schach gehalten. Insofern ist es kein Wunder, dass Mobbing ausgerechnet zu jener Zeit epidemisch wurde, als starre gesellschaftliche Konventionen aufgelöst und hierarchische Systeme durch weichere, vermeintlich modernere Arten der Gruppenorganisation abgelöst wurden", so Talmann. In sozialen Gruppen, in denen die Grundlagen verhandelbar und damit relativ seien, existiere kein Das-gehört-sich-nicht. "Rudelinstinkte brechen sich dann umso leichter Bahn", betont der Experte. Die Problematik des Opfers bestehe häufig darin, dass es, um dem Mobbing zu entgehen, die Schule oder den Arbeitsplatz wechseln müsse.

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Was also tun?

Als wirksamstes Mittel gegen Mobbing hat sich, so Talmann, ein Ansatz aus der Soziologie und Kriminalitätsforschung erwiesen: "Die so genannte Null-Toleranz-Politik. Sie wurde in den USA in vielen Großstädten erfolgreich angewendet, die in den 1970er Jahren in Dreck und Chaos versunken waren. Insbesondere in New York City hat diese Politik unter Bürgermeister Rudolph Giuliani beste Wirkungen gezeigt. Es gelang, aus einem verarmten und kriminell durchsetzten städtischen Moloch wieder eine offene und sichere Stadt zu machen. Dieser Ansatz basiert auf der so genannten Broken-Windows-Theory der Sozialforscher James Q. Wilson und George L. Kelling". Diese hätten das Prinzip der 'zerbrochenen Fensterscheibe' beschrieben, die sofort repariert werden müsse, "um weitere Zerstörung und in der Folge den Niedergang von Stadtvierteln zu verhindern. Die Idee dahinter: wenn die erste Scheibe zerbrochen ist, werden die nächsten wie bei einem Dominoeffekt folgen. Der Grund: die menschliche Hemmschwelle zu asozialem Verhalten fängt an zu sinken, wenn die zivilisatorischen Regeln einen Knacks bekommen, sei er auch noch so geringfügig", erläutert Talmann. #Burnout #Depression