Sensibel zu sein ist per se nichts schlimmes, im Gegenteil. Denn es bedeutet, dass wir meist nicht nur feinfühlig für unsere Umwelt sind, sondern auch für die unserer Mitmenschen. So sind sensible Menschen häufiger auch empathischer, also mitfühlender. Das es jedoch nicht immer gut ist sensibel zu reagieren, offenbart die Tatsache, dass man häufiger gekränkt ist. Deshalb sollte sich jeder hinterfragen, ob das auf ihn zutrifft. Beantworten Sie die Frage "Reagieren Sie häufiger als gewünscht gekränkt?" mit 'ja', so finden Sie hier Beispiele, sowie Tipps und Tricks um Schritt für Schritt weniger überzureagieren. Manche davon sind sehr banal und einfach umzusetzen, andere nicht. Allein das Bewusstsein dafür zu schärfen kann ihnen weiterhelfen.

Schlechte Kommunikation ist oft der Auslöser

Ein Beispiel möchte ich voran bringen: Eine Frau sitzt am Steuer, ihr Mann neben ihr. Sie fährt Auto und hält an einer roten Ampel. Wenig später springt die Ampel wieder auf grün. Der Mann sagt: "Die Ampel ist grün". Die Frau reagiert sichtlich genervt: "hetz mich nicht so, ich sehe das die Ampel grün ist", der Mann ist irritiert: "ich habe doch nur gesagt, dass die Ampel grün ist?"

Was bei diesem Beispiel klar wird: eine Nachricht kann immer anders interpretiert werden, als sie gemeint war. Beide Seiten können etwas dafür tun, dass es nicht zu einer solchen Fehlinterpretation kommt. Kennen Sie vielleicht in Ihrem Umfeld jemanden, bei dem Sie immer überlegen müssen, ob das Gesagte nun spaßig oder ernst gemeint war? Das ist ein gutes Beispiel für nicht eindeutige #Kommunikation. Gerade für sensible Menschen ist es dann schwer die Dinge richtig einzuordnen, siehe obiges Beispiel mit dem Mann und der Frau. Hätte der Mann gesagt: "Schatzi, ich möchte dich nicht hetzen, die Ampel ist eben umgesprungen", so hätte die Frau vermutlich anders reagiert.

Kränkungen entstehen meist, wenn Menschen uns nahe stehen

Wenn uns jemand nicht so nahe steht, dann ist es einfacher cool zu bleiben. Die besagte Person ist uns quasi "vollkommen egal". Ist uns jedoch jemand wichtig, eventuell unser Partner, oder unser Bruder/unsere Schwester, dann sieht das schon anders aus. Wir sind wesentlich empfänglicher für Provokationen und Fehlinterpretationen. Letztlich hängt das mit dem Streben nach Harmonie zusammen und für diese Harmonie fühlen wir uns verantwortlich. Umso näher uns Personen stehen, umso größer ist das Verantwortungsgefühl. Da wir die Harmonie in Gefahr sehen, wenn jemand nicht lieb mit uns umgeht, reagieren wir gekränkt. Das Problem ist meist jedoch die Art und Weise, wie wir diese #Kränkung mitteilen, oder wie diese Mitteilung empfangen wird. Beispiel: wir gehen nach Feierabend einen Blumenstrauß für unseren Partner kaufen und freuen uns wahnsinnig auf die freudige Reaktion. Wir haben also eine Erwartungshaltung. Reagiert der Partner dann aber nicht wie gewünscht, kann das in uns ein sehr negatives Gefühl auslösen. Je nachdem ob der Partner einfach nur gleichgültig reagiert (das wäre dann vermutlich noch nicht ausreichend für eine Kränkung - je nach dem wie sensibel wir sind), oder uns vielleicht sogar wegen einer Nichtigkeit anpampt, evtl. weil wir den Müll nicht heraus gebracht haben, und das Auto ist auch noch nicht voll getankt, so käme es hier schon sehr wahrscheinlich zu einer Kränkung, da so ziemlich das Gegenteil von dem eingetroffen ist, was wir erwartet hatten: totale Harmonie, einen freudigen Partner und ein positives Gefühl für beide. Eine Möglichkeit sein Gefühl umzuwandeln, wäre diese Erwartungshaltung konkret anzusprechen: "Schatz, nimm es mir nicht übel, aber den Müll kann ich gleich noch rausbringen und das mit dem Auto mache ich morgen. Eigentlich dachte ich, dass du dich über die Blumen freust, das finde ich gerade echt blöd"

Erfahren Sie in Teil 2 dieser Reihe (folgt eine Woche nach Teil 1), wie unsere Wahrnehmung uns einen Streich spielt und uns fehlleitet und lesen Sie weitere konkrete Tips und Tricks um die Probleme an der Wurzel zu packen. #Psychologie