Narzissmus scheint das neue Trendwort zu sein. Nicht erst seit Donald Trump wird vermehrt darüber berichtet und diskutiert. Sehr schnell und fast zu schnell wird die Etikette "#Narzisst" auf Menschen behaftet, mit denen es in der Vergangenheit Konflikte gab.

Es ist richtig und wichtig, über dieses sensible Thema zu sprechen und aufzuklären. In Amerika ist dieses Thema bereits weitaus populärer als hier in Deutschland. Dennoch ist die Gefahr groß, Menschen mit einer Diagnose zu behaften, die nur ein Facharzt ausstellen kann.

Wie ist ein Narzisst zu erkennen?

im Netz existieren viele Seiten mit Merkmalen, wie ein Narzisst zu erkennen ist.

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Doch hierbei tauchen weitere Gefahren auf, denn diese Merkmale lassen sich auch vereinzelt auf jeden von uns ummünzen. Narzisstische Züge trägt jeder Mensch von uns in sich. Das ist nicht nur menschlich, sondern auch wichtig. Narzissmus ist im Vorfeld nicht schlechtes, sofern es sich um den positiven Narzissmus handelt. Denn ein positiver Narzissmus unterscheidet sich zum reinen Egoismus, indem dass wir für unsere Grenzen einstehen, ohne (bewusst) anderen Menschen Schaden zuzufügen.

In unserer Gesellschaft hat sich das Bild manifestiert, dass ein Narzisst ein selbstverliebter Mensch ist. Das ist sehr pauschalisierend, denn die Bandbreite das Narzissmus ist breit gefächert. Es kann zutreffen, muss aber nicht, denn viele maligne Narzissten sind auf den ersten Blick nicht zu erkennen. Genau aus diesem Grund, ist es aus mir so wichtig über dieses sensible Thema zu sprechen.

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Viele Betroffene die auf der Suche nach Charaktereigenschaften und Merkmale eines Narzissten sind, stoßen auf Seiten im Internet, die diese auflisten. Die Merkmale sind absolut treffend und richtig und dennoch hinterfragen sich die Betroffenen, die es mit einem vermutlichen Narzissten zu tun haben, ob sie in Wahrheit nicht selbst der Narzisst sind. Meiner Meinung nach irritieren diese Listen die Fragesuchenden sehr stark und lassen viele Zweifel aufkeimen.

Einen wirklichen Narzissten erkennt man meist erst im Nachhinein und auf weite Sicht. Dennoch gibt es, wenn man alle Merkmale einmal filtert, wesentliche Punkte, die einen wahren Narzissten entlarven:

- Narzissten kreisen nur um ihre eigenen Bedürfnisse. Auch wenn diese sich empathisch zeigen mögen, stehen immer die eigenen Interessen im Vordergrund.

- Worte passen nicht zu den Handlungen

- Bei Narzissten existiert meist nur Idealisierung oder Abwertung. Freund oder Feind. Sie sind stark urteilend und negierend. Sehen sich selbst als besonders wichtig und anders als den Rest der Gesellschaft.

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- Narzissten lieben nicht, sie besitzen. Auch nach einer Trennung lassen diese meist nicht los, es sei denn, es ist bereits ein neues "#Opfer" gefunden.

- Sie sind Energieräuber. Besonders feinfühlige Menschen fühlen sich nach einer Begegnung mit einem Narzissten müde und ausgelaugt.

- der maligne Narzisst lässt meist erst nach der Trennung seine Masken fallen. Er lässt kaum etwas unversucht, um nach der Trennung seinen Ex-Partner Schaden zuzufügen. Hierbei geht dieser meist sehr subtil vor. Es fällt ihm schwer loszulassen, denn eine Trennung ist für ihn eine persönliche Niederlage. So wird mit sämtlichen Mitteln versucht, den Ruf der Betroffenen zu schädigen und vieles mehr.

- Ein Narzisst polarisiert, die Gruppe unterteilt sich in Fans oder Menschen, die ihn meiden.

- zeigt wenig/ kaum echte Empathie

Ist der Narzisst nun #Täter oder Opfer?

Nun geht aus all den Artikeln und Aufklärungen deutlicher hervor, dass der Narzisst ein Täter und Monster sei. Dennoch muss man es etwas vielseitiger sehen.

Es ist richtig, dass ein Narzisst Schaden zufügen kann. Und ohne es schön zu reden, ein Narzisst war auch einmal ein Opfer. Es hat also seine Gründe, dass ein Mensch so ist wie er ist. Unumgänglich ist zu erkennen, das bei den Aufklärungsversuchen ein deutliches "Täter-Opfer" Bild entsteht.

Dennoch sollte diese Aufklärung etwas anderes bewirken, Betroffene sollen nicht länger Opfer sein. Es geht hierbei darum, zu erkennen, in welch toxischen Konstrukt, man sich befunden hat. als Bild und in der Rolle des Opfers bleibt man stecken und schiebt sämtliche Verantwortung auf den Narzissten.

Wichtig ist das Erkennen, um sich aus toxischen Strukturen zu lösen, sich selbst und seine Bedürfnisse besser kennenlernen zu können, und daran letztendlich zu wachsen. Dies ist ein Prozess, und der dauert. Frei ist aber der Mensch, der seine Grenzen erkennt und dafür einsteht. Alte Wunden geheilt hat und Menschen, die ihm nicht gut tun, einfach meidet.