Depressionen werden in der heutigen Gesellschaft nicht mehr so verschwiegen, wie noch vor einigen Jahrzehnten. Immer mehr Menschen suchen einen Arzt auf, wenn sie an Depressionen leiden und wollen sich therapieren lassen. Es gibt die Möglichkeit einer Therapie und oder sich Medikamente verschreiben zu lassen. Vor allem bei akuten Fällen sind Antidepressiva fast unumgänglich. Durch die große Nachfrage wird der Markt für diese Medikamente immer größer.

In den USA gibt es schon seit längerem eine neue Art der Therapie – und zwar mit dem Narkosemittel, das oft auch als Partydroge fungiert: #Ketamin.



In Deutschland leiden etwa 5 Prozent der 18- bis 65-Jährigen an Depressionen.

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Doch eine Depression ist nicht gleich eine #Depression – bei jeder Person ist sie anders, nicht jedes Medikament hilft bei jedem Patienten gleich. Es ist meist ein langwieriger Prozess, bis der richtige Stimmungsaufheller gefunden wird, was oft Wochen dauern kann.

Dies ist bei Ketamin anders – Es wirkt meist innerhalb von Minuten oder Stunden und lässt den Patienten eine psychische Erleichterung spüren. In den USA ist Ketamin schon ein fester Bestandteil vieler Therapien, viele sprechen vom 'Ketamin-Boom'. Alleine in Manhattan sollen es 15 Kliniken sein, die mit der neuen Option arbeiten.

Hier eine kurze Dokumentation von Vice zum Thema Ketamin bei Depressionen:

Forscher der Berliner Charité testen Ketamin nun an Patienten in Deutschland.

Psychiater Malek Bajbouj von der Berliner Charité und seine Kollegen sind diejenigen, die die neue Ketamin-Therapie anbieten.

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Viele Patienten, die als 'therapieresistent' galten, wurden und werden nach wie vor behandelt. Bajbouj selber schätzt die Wirkungsrate jedoch trotzdem niedriger ein, als viele Forscher es tun.

Er führt momentan eine klinische Studie im Zuge der neuen Therapieoption durch und meint, dass nur ein Drittel der Patienten auf das Ketamin dauerhaft gut anspricht, ein Drittel nur für kurze Zeit und ein Drittel gar nicht. Auch warnt Bajbouj vor Risiken. Patienten mit Psychosen könnten durch die halluzinogene Wirkung gefährdet sein und Patienten mit hohem Suchtpotential könnten abhängig werden. Daher heißt er auch das übermäßige Angebot in den USA nicht gut. Oft würden Anästhesisten, die oft wenig Erfahrung mit psychiatrischen Krankheiten haben, die Behandlung anbieten.

Was passiert, wenn Ketamin konsumiert wird?

Die Wirkkaskade im Gehirn läuft bei Ketamin über den Botenstoff Glutamat ab und nicht über Dopamin oder Serotonin, wie bei den SSRI. Im zentralen Nervensystem ist Glutamat einer der wichtigsten Neurotransmitter, da er die Kommunikation zwischen den einzelnen Nervenzellen unterstützt.

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Durch einen beschleunigten Prozess, den das Ketamin im Gehirn ankurbelt und wodurch das Glutamat länger im Umlauf bleibt, können Halluzinationen auftreten, die bis hin zu dissoziativen Zuständen führen können. Auch der Verlust von Zeitgefühl und geschärfte Sinne sind typisch.

Durch die schnelle Wirkung ist Ketamin gerade für suizidgefährdete Patienten eine große Hilfe.

Carlos Zarate vom National Institute of Mental Health (NIMH) meint, dass das Einsetzen von Ketamin noch nicht für die breite Masse geeignet sei, da es schlichtweg zu wenig Studien zur Langzeit und zur Nutzung in Kombination mit anderen Medikamenten gäbe.

Therapiemethoden

In Deutschland hat Ketamin schon länger seinen Platz in der Schmerztherapie und ist somit ein völlig legaler, zugelassener Wirkstoff. Meist als Narkotikum verwendet, leistet es wichtige Dienste während Operationen beispielsweise, da es zwar betäubt, jedoch die Atmung nicht beeinflusst.

Momentan therapiert jedes Zentrum noch mit eigenen Erfahrungen. Rupert McShan in Oxford verschreibt Ketamintabletten und steigt dann auf Infusionen um. Psychiater Malek Bajbouj von der Berliner Charité bevorzugt eine Therapie mit Infusionen über mehrere Wochen hinweg mit anschließender konventioneller Psychotherapie oder Antidepressiva.

Der Psychiater David Feifel von der University of California, der die Methode der Ketamin-Infusionen bei seinen Patieneten anwendet, beteuert in der renommierten Fachzeitschrift 'Lancet', dass die Halluzinationen, die manchmal durch Ketamin hervorgerufen werden, nur sehr kurz auftreten und dies meist nicht als negativ empfunden wird von den Patienten. Auch sagte er, dass bei keinem seiner Patienten ein Suchtpotential zu erkennen war. Ich habe bisher keinen Patienten, der unter dieser Therapie abhängig wurde“, sagt er.

Keine Langzeitwirkungen bekannt

Es ist noch nicht klar, welche Langzeitfolgen Ketamin mit sich bringt. Es lässt sich noch nicht sagen, wie hoch beispielsweise das Suchtpotential sein kann oder ob es andere negative Langzeitfolgen gibt. Bisher wurde die Wirksamkeit nur in kleineren Studien erforscht, weswegen Ketamin von der US-Zulassungsbehörde FDA nur zum 'Off-Label-Einsatz' zugelassen ist. Das heißt, dass Ketamin zwar eingesetzt wird, jedoch ursprünglich für einen anderen Zweck gedacht war. #PsychischeKrankheit