Deutschland kann als das wichtigste Ziel von Migranten in Europa bezeichnet werden und ist nach den USA sogar das wichtigste Einwanderungsland der Welt. Durch die Migration in den Jahren 1955 – 1998 hat der Westen Deutschlands insgesamt 14 Millionen Einwohner hinzugewonnen, wodurch sich die deutsche Gesellschaft nach dem Zweiten Weltkrieg grundlegend geändert und zu einer multikulturellen und multiethnischen Gesellschaft gewandelt hat.

Die vier Einwanderungsphasen in der Bundesrepublik

Die erste Phase der Einwanderung begann direkt nach dem Zweiten Weltkrieg.

Zu dieser Zeit waren die Einwanderer vor allem Flüchtlinge und Vertriebene, aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten, der Tschechoslowakei, Ungarn, sowie dem ehemaligen Jugoslawien. Insgesamt kamen bis Anfang der 50er Jahre rund zwölf Millionen Deutsche aus Ostmitteleuropa und den ehemaligen deutschen Ostgebieten in die Bundesrepublik und die DDR. Der Zuzug dieser Vertriebenen lief weitestgehend konfliktfrei, da es sich hierbei im ethnischen und rechtlichen Sinne um Deutsche handelte.

Die zweite Phase begann mit der Zeit des wirtschaftlichen Aufschwungs in der Nachkriegszeit und dem damit verbundenen Arbeitskräftemangel in der Bundesrepublik. Aus diesem Grund schloss die Bundesrepublik im Jahre 1955 das erste Anwerbeabkommen zur Rekrutierung von Gastarbeitern mit Italien. Während der 60er Jahre folgten einige weitere Anwerbeabkommen mit anderen Staaten.

Die, durch die Anwerbeabkommen rekrutierten Ausländer, sollten ursprünglich nach dem Rotationsprinzip nicht längerfristig in der Bundesrepublik bleiben, sondern nach einigen Jahren wieder in ihre Heimat zurückkehren und durch neue Arbeiter ersetzt werden. Aus diesem Grund wurde bei der Einwanderung der Ausländer nicht auf deren Integration geachtet. Sie waren in erster Linie im Land, um konjunkturelle und demographische Engpässe auf dem Arbeitsmarkt zu beseitigen.

Vom Gastarbeiter zum Deutschen mit Migrationshintergrund

Die dritte Phase begann im Jahre 1973 mit dem Inkrafttreten des Anwerbestops, welcher auf eine Verringerung der Ausländerbeschäftigung abzielte. Da ein Teil der Gastarbeiter in dieser Zeit zurück in die alte Heimat ging, blieb die Zahl der Ausländer in der Bundesrepublik in dieser Phase relativ beständig bei ca. 4 Millionen. Die Art der Migration veränderte sich jedoch zusehend.

Aus der ursprünglichen vom Staat initiierten Arbeitsmigration wurde zunehmend eine Familienmigration. Dies hatte zur Folge, dass die Arbeitsmigranten sich allmählich in Deutschland niederließen und ihren Lebensmittelpunkt hierher verlagerten. Der ursprüngliche Plan der Regierung von einer zeitlich begrenzten Aufenthaltsdauer der Migranten wich immer mehr einer endgültigen Einwanderung.

Ab dem Jahr 1987 kam es dann zu einer neuen Welle der Einwanderung, welche die vierte bedeutende Phase der Migration in Deutschland darstellt.

Auslöser hierfür waren vor allem Asylbewerber, die Kriege im ehemaligen Jugoslawien, die sich zuspitzende Lage im kurdischen Teil der Türkei sowie der einsetzende Zusammenbruch der Sowjetunion, aufgrund dessen es zu einer zweiten Welle der Zuwanderung von Aussiedlern in der Bundesrepublik kam.

In den Jahren von 1988 bis 1997 stieg die Zahl der Ausländer in der Bundesrepublik folglich von 4,5 Mio. auf 7,3. Mio. an.

Diese Phase sorgte für den endgültigen Umbruch und zeigte, dass Deutschland de facto, anders als ursprünglich gewollt, zu einem Zuwanderungsland geworden ist.

Zum 01.01.2005 trat in Deutschland das neue Zuwanderungsgesetz in Kraft, in Folge dessen sich die Bundesrepublik das erste Mal auch offiziell zum Einwanderungsland erklärt hat.